Massenet: Werther
In Frankfurt war jetzt die seinerzeit etwas unausgeglichen wirkende Amsterdamer Aufführung von Massenets «Werther» zu besichtigen. Willy Deckers Inszenierung in den Bühnenbildern Wolfgang Gussmanns wirkt dank einer sensiblen, einfühlsamen Personenregie (Willy Deckers Assistent Johannes Erath), eher lebendiger, konturierter und plastischer in den Figurendarstellungen als in der Amsterdamer Erstinszenierung (siehe OW 3/96). Nachspielen muss also nicht immer zu leblos-schematischen Arrangements führen.
Man erlebt in Frankfurt eine völlig neue Besetzung, ein anderes Orchester und einen neuen Dirigenten. Konnte man in Amsterdam mit Susan Grahams Charlotte zuweilen den Eindruck gewinnen, die Oper hieße nach ihr, so trägt sie nun in Frankfurt ihren originalen Titel wieder zu Recht. Mit Piotr Beczala behauptet Werther seine führende Position: Leicht, fließend, wie beiläufig artikuliert und mit leicht nervig vibrierendem Klang strömt Beczalas Werther-Gesang dahin. Ein Singen voller Feuer, Leidenschaftlichkeit, tonschön und intensiv. Alfredo Kraus «atmete» die «Ossiade» vielleicht noch schwereloser, entmaterialisierter aus, aber Beczala befindet sich zweifellos auf dem Weg zum ...
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Henry James’ berühmte Novelle «The Turn of the Screw» hat seit ihrem Erscheinen 1898 nicht nur zahlreiche Dramatisierungen, sondern auch etliche Versuche inspiriert, die rätselhafte Geschichte einer Gouvernante, die in den Bann zweier vermeintlich von Gespenstern – den Wiedergängern ihrer verblichenen Diener – heimgesuchter Kinder gerät, mit cineastischen Mitteln...
Als man sich im Teatro Colón auf die argentinische Erstaufführung von Alexander Zemlinskys «König Kandaules» vorbereitete, wurde das Haus von Streiks erschüttert (siehe OW 11/2005). Dann schien sich die Lage beruhigt zu haben: Das Colón brachte ohne nennenswerte Probleme eine Wiederaufnahme der auf einem García-Lorca-Stück basierenden Oper «La zapatera prodigiosa»...
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde,...
