Rekonstruktion eines Fragments

Frieder Bernius hat eine vergessene Schubert-Oper zum Klingen gebracht

Opernwelt - Logo

Schubert, Oper und Indien – eine Trias, die mehr Gegensätze als Gemeinsamkeiten aufweist. Im Herbst 1820 wagte sich Schubert an die Vertonung des Sakontala-Stoffes, dessen Dramenvorlage auf Versen des indischen Dichters Kalidasa (um 500) basiert. Daraus fügte der österreichische Dichter ­Johann Philipp Neumann ein Libretto – jener Neumann, der auch die Textvorlage für Schuberts «Deutsche Messe» lieferte.

Das Opernmanuskript blieb, wie so vieles bei Schubert, unfertig in der Schublade liegen, bis im Jahr 2001 ein finnischer Kulturveranstalter auf die Idee kam, diesen Torso zu heben und ihn aufführungstauglich zu machen. Der dänische Komponist Karl Aage Rasmussen wurde auserkoren, die Partitur zu vervollständigen.
Was fand er vor? Nach eigener Aussage waren es «mehr als 400 Seiten unbekannter Musik in Schuberts eigener Handschrift». Das Manuskript besteht aus «Seiten mit jeweils 16 Systemen, die als Orchesterpartitur eingerichtet sind». Die Vokalstimmen sind vollständig ausgeschrieben, die Begleitung ist jedoch nur spärlich notiert: mal ein Hinweis auf die Orchestrierung, mal eine Idee zur Harmonisierung. Ungefähr in der Werkmitte bricht das Autograph einfach ab, ohne dass Schubert ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: CDs, Seite 72
von Christoph Vratz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Blick in eine andere Welt

Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld...

Händel: Tamerlano

Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, gold­verzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...

Nackte Gefühle

Herr Cura, am Tag der Premiere von Massenets «Le Cid» in Zürich erfuhren Sie, dass Ihr Vater gestorben ist. Dennoch haben Sie gesungen.
Ja, es war ein Alptraum und eine sehr besondere Situation zugleich. Ich hatte intuitiv immer gewusst, dass mich eine solche Nachricht irgendwann, wenn man gar nicht damit rechnet, erreichen würde. Nur war mir auch klar, dass ich...