Hochzeit im Wahn
Längst nicht alle Quereinsteiger bringen der Oper die erhoffte Blutzufuhr. Von Philipp Stölzl ist sie indes mehr und mehr zu erwarten. Seine dritte Inszenierung – nach dem Meininger «Freischütz» und dem arg frühzeitigen Salzburger «Benvenuto Cellini» – nährt die Neugier aufs Kommende. Bildertheater – einstweilen sein Markenzeichen – ist auch dieser Gounod’sche «Faust» in Basel. Und Rahmenerzählung.
Dieweil Faust, als grausträhniger Clochard an seinem Krankenstuhl verkabelt, mühsam seine Runden dreht, wird Marguerite, an einer Bahre festgeschnallt, einhergekarrt: so wie am bitteren Ende wieder, bevor ihr die finale Giftspritze verabreicht wird und Faust sich über ihrer Leiche krümmt. Bis dahin ist die Inszenierung dichter und dichter geworden. Auch wenn in der Winterlandschaft des zweiten Teils immer wieder der Eindruck entsteht, die Faust-Zwillinge – Mephisto ist auch hier eine Abspaltung, das dunkle Innere des Titelhelden – eilten, erst in Glitzeranzügen, dann in schweren Pelzmänteln (Kostüme: Ursula Kudrna), durch eine kaum verbundene Nummernrevue, durch ein Hit Hopping auf wackligen dramaturgischen Füßen.
Ein wesentlicher Pfeiler dieser Gounod-Deutung ist der Rekurs auf die ...
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Zu den stärksten Operneindrücken meiner Schulzeit gehört die legendäre Münchner «Traviata» von 1965, in der an der Seite von Fritz Wunderlich und Hermann Prey eine junge Kanadierin griechischer Herkunft ihren Einstand gab, die in Deutschland bis dahin noch niemand kannte: Teresa Stratas. Sie war das Traumbild einer Kameliendame, ganz femme fragile, tief...
Was es auf sich hat mit den drei Rheintöchtern und mit einem Riesenbett, das wie angeschwemmtes Strandgut aussieht, werden wir wahrscheinlich erst wissen, wenn der neue Hamburger «Ring» geschmiedet ist. Während Ha Young Lee, Gabriele Rossmanith und Ann-Beth Solvang mit berückendem Wohllaut singen, naht eine Gestalt im weißen Schutzanzug und reinigt – oder...
Mit ihrer Überfülle an Musik, die man schon bei der Münchner Premiere 1781 durch drastische Striche kanalisieren musste, ist «Idomeneo» Mozarts reichste, experimentellste Oper. Bereits in der Ouvertüre mit ihren abrupten Einbrüchen wetterleuchtet jene nervöse Erregtheit, die das Psychodrama der Leidenschaften bestimmt, in dem die allesamt durch den Krieg...
