Göttlicher Idiotismus, himmlische Sklerose
Die jeweils am 11.11. ausbrechende fünfte Jahreszeit ist im Rheinland dem verordneten Frohsinn geweiht, und das lustige Treiben ergreift die Theater bis ins Ruhrgebiet. Aber das Leichte ist auf der Bühne bekanntlich das Schwerste. Als Jacques Offenbach 1858 in seinen Bouffes-Parisiens die komische Oper «Orphée aux Enfers» herausbrachte, war alles noch einfach. Da verspottete er die Gattung Oper, speziell Glucks »Orpheus und Eurydike», und in einer Parallelaktion die bigotte Pariser Gesellschaft im Second Empire des Dritten Napoleon.
Kölns Oper am Offenbachplatz wagte sich schon kurz vor dem Ausbruch des im konkurrierenden Düsseldorf als «Hoppeditz’ Erwachen» firmierenden Karnevals an das Erfolgsstück des geborenen Kölners und ging im Rhein baden. Die Verpflichtung einer Star-Darstellerin aus der Vorabendunterhaltung des Fernsehens als Öffentliche Meinung und eines ehemaligen Regierungspräsidenten, der oft die Politik mit schlechtem Theater verwechselt hatte, ging ebenso daneben wie der Versuch, Offenbachs Gesellschaftskritik auf das Jeckentum im organisierten Karneval zu beziehen. Die Produktion wurde zurückgezogen (siehe OW 12/2005).
Essens Aalto-Oper vermied den Fehler, eine ...
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Die Initialzündung kam von Peter Stoltzenberg, damals Intendant in Heidelberg. Er hatte die junge, im Konzertbereich schon weithin bekannte Altistin Ortrun Wenkel mit weltlichen Bach-Kantaten gehört und war hingerissen von ihrer theatralischen Ausstrahlung, die sie ohne szenische Unterstützung allein aus ihrer Persönlichkeit heraus auf dem Podium entwickelte....
Als man sich im Teatro Colón auf die argentinische Erstaufführung von Alexander Zemlinskys «König Kandaules» vorbereitete, wurde das Haus von Streiks erschüttert (siehe OW 11/2005). Dann schien sich die Lage beruhigt zu haben: Das Colón brachte ohne nennenswerte Probleme eine Wiederaufnahme der auf einem García-Lorca-Stück basierenden Oper «La zapatera prodigiosa»...
«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom...
