Monteverdi: Die Krönung der Poppea

Braunschweig

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Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe nichts weiter als Sex. Baesler zeigt Poppea als hingebungsbereiten Marilyn-Verschnitt. Gleich als Ers­tes erobert Nero, äußerlich dem Pop-Star Prince ähnelnd, ihren Schlüpfer.

Schnell sind die Herren mit dem Kopf unterm Kleid zugange. Gott Amor, ein geflügelter Warhol-Engel mit Blondhaar und rosa Kothurnen, schlüpft auch noch in andere  Rollen, um seinen Sieg voranzutreiben. Dabei geht er über Leichen (des Seneca) und gebrochene Herzen (der verstoßenen Nero-Gattin Ottavia). Zu Poppeas Krönung winkt er mit ihrem Schlüpfer: Sex regiert die Welt.
Siegfried Pokern verkörpert diesen Amor hinreißend und mit klarem Tenor. Doch geht es Monteverdi nicht um mehr? Um ein tiefes emotionales Liebesband zum einen, das bei Baesler unterbelichtet bleibt? Dabei böte die von Eckhard-Felix Wegenast entworfene Bühne mit Durchblicken auf ...

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Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 49
von Andreas Berger

Vergriffen
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