Schillerndes Psychodrama

Brittens «The Turn of the Screw» in einem ­Mitschnitt aus Aix-en-Provence und als BBC-Verfilmung – ein Vergleich

Opernwelt - Logo

Henry James’ berühmte Novelle «The Turn of the Screw» hat seit ihrem Erscheinen 1898 nicht nur zahlreiche Dramatisierungen, sondern auch etliche Versuche inspiriert, die rätselhafte Geschichte einer Gouvernante, die in den Bann zweier vermeintlich von Gespenstern – den Wiedergängern ihrer verblichenen Diener – heimgesuchter Kinder gerät, mit cineastischen Mitteln darzustellen.

Der britische Regisseur Jack Clay­ton zum Beispiel subsumierte den Stoff in seinem Spielfilm «The Innocents» (1961), der im deutschsprachigen Raum unter dem treffenderen Titel «Schloss des Schreckens» vertrieben wurde, dem Genre des romantischen Schauerromans: Das Unheimliche, Ungreifbare dient hier als Folie für eine Dramaturgie dezenter Gruseleffekte.
Spuren einer auf subkutanen Horror zielenden Bildersprache weist auch die von Katie Mitchell an «authentischen» Schauplätzen (englisches Schloss, Kirche, Friedhof, Wald, See), in viktorianischer Ausstattung inszenierte BBC-Verfilmung der Kammer­oper, mit der sich Benjamin Britten 1954 – im Auftrag der Biennale Venedig – einen ­eigenen Reim auf «The Turn of the Screw» machte (siehe OW 7/2005). Zwar konterkariert in diesem 2004 gedrehten Fernsehspiel der Wink mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: DVDs, Seite 56
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Rossini: Der Barbier von Sevilla

Biene Maja auf der Opernbühne: Rund um eine hübsche riesige Blume (Ausstattung: Christian Schmidt) tummelt sich der junge Graf Almavia als verliebte Hummel, die sich vor einer Riege Ameisen (irre komisch und exzellent parlierend: der Männerchor des Gärtnerplatz-Theaters) immer wieder neckisch mit ­einem goldenen Flitterregen bestäubt. Tom Cooley singt ihn mit...

Die gehobenste Form des Feuilletons

In den meisten Abhandlungen wird über Heines Verhältnis zur Musik allenfalls am Rande berichtet. Hängt das mit seiner Biografie zusammen?
Heine als Betrachter der Künste, sei es der Malerei, der Bildhauerei, der Architektur oder der Musik, war anfangs ein relativ unbefangener Kenner der Materie. Doch seit er als Journalist arbeitete – das war schon relativ früh, als...

Der geknetete Geist

Heinrich Heine, am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren, am 17. Februar 1856 zu Paris gestorben. Neben Goethe vermutlich Deutschlands populärster Dichter. Zu Lebzeiten ein gefürchtetes Lästermaul und ein begnadeter Poet. Die Zahl der Vertonungen, die auf seine Texte zurückgehen, streift die Zehntausender-Marke. Er war für die Komponisten jedoch nicht nur...