Puccini: Tosca

Augsburg

Wir schreiben das Jahr 1973, gerade hat der Diktator Pinochet in Santiago de Chile die Macht an sich gerissen. Also gibt es in dieser «Tosca» keine Kirche mit Kapellen und einem Maler bei der Arbeit, sondern einen schlichten Raum mit eingemauerter Madonna und angrenzendem Fotolabor, das auch eine konspirative Wohnung sein könnte.

Später, wenn die Musik des Te Deum langsam, brütend beginnt und sich gewaltig steigert, fahren die Wände hoch und ­geben den Blick frei auf ein surreales Ambiente: Scarpias Schreibtisch im Zentrum, neben dem lasziv ein Animiermädchen tanzt, umgeben von Krankenschwestern und Patienten. Der Chef der Militärjunta dagegen steht außerhalb – buchstäblich im Rampenlicht.
Philipp Kochheim hat genau auf die Musik gehört und die Veränderung ihres imaginären Raums in Szene gesetzt. Aber auch sonst bietet der Regisseur eine präzise Zeichnung von Figuren und Situationen: Toscas Eifersucht spricht aus wenigen Gesten und Blicken, ihr Begehren aus dem Buhlen um den Geliebten in feiner Reizwäsche. Wie sie von Spoletta die Beruhigungsspritze verabreicht bekommt – und in Trance Angelotti verrät; wie sie ihr «Vissi d’arte» in Embryostellung auf einer Krankenliege beginnt, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 60
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
Weitere Beiträge
Eötvös: Le Balcon

Seit 1991 stemmt sich Walter Kobéra nun schon gegen das Verdikt, dass neues Musiktheater in Wien allenfalls als Festivalgabe ans Publikum zu bringen sei. Und das mit trotzigem Erfolg. Jährlich vier Premieren bietet seine durch städtische und Bundesmittel mit rund sechshunderttausend Euro unterstützte Neue Oper. Dass man sich ausschließlich um Werke der klassischen...

Schlagerparade in Jahrhunderthalle

Für die fiktive Begegnung zwischen Giuseppe Verdi und Sylvia Plath hatte Hans Neuenfels sich der Musik von Adriana Hölszky bedient. Für die RuhrTriennale (die Produktion ist im Januar auch an der Komischen Oper Berlin zu sehen) hat er sich wieder einen Treff historischer Kulturgrößen ausgedacht, und da es sich diesmal um zwei Komponisten handelt – Schubert und...

Willkommene Reinspülung

«Opera/Werke», die beim Steirischen Herbst 2005 uraufgeführte mehrtägige «Stadtoper» des Österreichers und Wahlberliners Peter Ablinger, hebt schon im Titel auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes ab und ­rekurriert gleichzeitig auf die Sparten übergreifende ­Eigenart des «Gesamtkunstwerks» Oper. Ablinger zerlegt die elementaren Bausteine der Gattung in sieben...