Matterhorn als Mantel

München, Staatstheater am Gärtnerplatz, Mascagni: Cavalleria rusticana, Leoncavallo: Der Bajazzo

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In Zeitlupe öffnet sich der Vorhang und gibt minutenlang den Blick frei auf ein eigentlich hinter der Szene spielendes Geschehen, hier erstarrt zum Chor-Tableau: Grell herausgeputzte Frauen und Männern im schlecht sitzenden Siebziger-Jahre-Outfit. Zwei Figuren schälen sich heraus: Matrone Mamma Lucia (mit enormem Mut zur Hässlichkeit: Snejinka Avramova) und die Lola von Barbara Schmidt-Gaden, die das Angeschickertsein nicht nur spielt, sondern auch singt. Der Turiddu von Michael Suttner ist ein armseliges Würstchen, das den Macho mimt.

Für Santuzza, der er ein Kind gemacht hat und die er nun von sich stößt, bietet das Haus zwei ganz unterschied­liche Besetzungen auf: Ann-Kathrin Naidu spielte, obgleich ein intensiver, dunkel glü­hen­der Mezzo, in der Premiere suggestiv das irre, wilde Mäd­chen; Na­thalie Boissys lyrischer Sopran hat stimmlich an Substanz und Dramatik gewonnen und diente der intensiven Darstellung einer im Innersten getroffenen reiferen Frau, die keine Zukunft mehr vor sich sieht. Großartig der Einfall, dass sie das gemalte Matterhorn vom Schnür­boden reißt und wie einen Mantel trägt. Solche Momente gelingen dem Regis­seur und Bühnenbildner Christian Sedelmayer ...

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Opernwelt Dezember 2005
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Klaus Kalchschmid

Vergriffen
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