Matterhorn als Mantel
In Zeitlupe öffnet sich der Vorhang und gibt minutenlang den Blick frei auf ein eigentlich hinter der Szene spielendes Geschehen, hier erstarrt zum Chor-Tableau: Grell herausgeputzte Frauen und Männern im schlecht sitzenden Siebziger-Jahre-Outfit. Zwei Figuren schälen sich heraus: Matrone Mamma Lucia (mit enormem Mut zur Hässlichkeit: Snejinka Avramova) und die Lola von Barbara Schmidt-Gaden, die das Angeschickertsein nicht nur spielt, sondern auch singt. Der Turiddu von Michael Suttner ist ein armseliges Würstchen, das den Macho mimt.
Für Santuzza, der er ein Kind gemacht hat und die er nun von sich stößt, bietet das Haus zwei ganz unterschiedliche Besetzungen auf: Ann-Kathrin Naidu spielte, obgleich ein intensiver, dunkel glühender Mezzo, in der Premiere suggestiv das irre, wilde Mädchen; Nathalie Boissys lyrischer Sopran hat stimmlich an Substanz und Dramatik gewonnen und diente der intensiven Darstellung einer im Innersten getroffenen reiferen Frau, die keine Zukunft mehr vor sich sieht. Großartig der Einfall, dass sie das gemalte Matterhorn vom Schnürboden reißt und wie einen Mantel trägt. Solche Momente gelingen dem Regisseur und Bühnenbildner Christian Sedelmayer ...
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«Es gibt einen Ort in der Mitte des Erdkreises, zwischen Erde, Meer und Himmelszonen, die Grenzscheide der dreigeteilten Welt, von dort kann man alles, was irgendwo geschieht, sehen, sei es auch noch so weit entfernt, und jede Stimme dringt an das lauschende Ohr. Fama wohnt dort und hat sich an der höchsten Stelle ein Haus gebaut, ihm zahllose Eingänge und tausend...
