Puccini: Tosca
Das Spannendste an der neuen Wiesbadener «Tosca» ist das hochkonzentriert, klangschön und dicht musizierende Orchester, dem Chefdirigent Marc Piollet aufschlussreiche Partiturdetails entlockt. Neues Licht fällt auf ganze Szenen durch höhnisch glucksende Klarinetten hier, gefährlich drohende Cello-Soli dort, und das strenge Metrum der Schluss-Chaconne in der Erschießungsszene wird derart «gemütlich» zum Schunkeln gebracht, dass das Orchester das von Scarpia eingefädelte Spiel um Schein und Nicht-Schein als zynische Parodie entlarvt, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Leider hatte die Szene dem nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Tom Musch stellte einen Betonbunker auf die Bühne, in den wie in einen Adventskalender Fensterchen und Türchen eingeschnitten waren und in dem man laut Programmheft eine Mischung aus Arena (siehe «Carmen») und Theater (Logen) erkennen sollte. Die Fensterchen waren im Kirchenbild mit Kitsch-Madonnen à la Neuenfels bestückt, im Palazzo Farnese mit roten Theatervorhängen verschlossen, im letzten Bild trüb und leer. Der gekreuzigte Jesus machte im sichtbar ausgespielten Folterbild dem gemarterten Cavaradossi Platz: eine plakative Analogie, die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dass Mozarts Königin der Nacht als Angelegenheit für Spezialistinnen gilt, hat die Partie auch in Verruf gebracht. Denn zum einen können Koloratursopranistinnen allzu leicht darauf festgelegt werden, zum anderen passt oft das chinesische Märchenbild der mechanischen Nachtigall: koloraturgewandt, doch ohne Eigenpersönlichkeit. Diana Damrau ist längst zur...
Wer hätte von der ehemaligen Chefdramaturgin aus Klaus Zeheleins vielgerühmtem Stuttgarter Grübler-Team ein Bekenntnis zur «Volksoper» erwartet? Diese Überraschung ist Juliane Votteler zu Beginn ihrer Augsburger Intendanz gelungen. Am Ende von Jaromir Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» jubelte das Publikum in gehobener Operettenstimmung. Anders gesagt:...
Paul McCreesh gab anlässlich seiner Einspielung von «Paride ed Elena» jüngst der Hoffnung Ausdruck, Gluck möge in zehn Jahren so beliebt sein wie Händel heute. Tatsächlich erlebt der Opernreformator auf Bühnen, Symposien und CD wieder einmal ein Hoch in seiner höchst wechselhaften Konjunkturkurve. Da passt es zum Trend, dass sich Alexander Stoehr und die Neue...
