Puccini: Turandot
Die Sklavin Liú hat sich geopfert, der Vorhang geht zu. Das Finale der Oper «Turandot» hat Puccini nicht mehr komponiert, der Krebs war schneller. Ping, Pang und Pong, die drei Minister aus Turandots Reich diskutieren am Orchestergraben. Auf Italienisch mit Übertiteln. Soll jetzt Schluss sein? Oder einer der Schlüsse gespielt werden, die Franco Alfano und Luciano Berio geschrieben haben. Und wenn ja, mit welchen Kürzungen? «Seid ruhig! Hier wird gemacht, was ich will», tönt die Stimme von Essens Generalmusikdirektor Stefan Soltesz aus dem Graben.
Und dann gibt es eine Kurzversion des Alfano-Endes.
Dieses hinzugedichtete Intermezzo war der heiterste Regieeinfall Tilman Knabes. Das Bühnenbild von Alfred Peter verlegt das Stück – wie das Programmheft verrät – in «die Hauptstadt eines totalitären Staates». Das Volk drängelt sich zwischen schäbigen Hauswänden, uniformierte Schergen halten es mit Absperrgittern in Schach. Der Kaiser wird auf einem Stuhl hereingetragen, er hat eine Atemmaske vor dem Antlitz und hängt am Tropf.
Tilman Knabe entwirft heftige Horrorbilder. Blutüberströmte Männerkörper schleppen sich zum Bühnenrand und brechen dort zusammen; die geköpften Opfer Turandots haben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Der Titel war gut gewählt, denn er formulierte einen ersten Befund: «Angst vor der Zerstörung.» Um Positionen des Musiktheaters (natürlich besonders des Wagner’schen) zwischen Archiv und Erneuerung ging es bei einem hochkarätig besetzten Symposion während der Bayreuther Festspiele. Ein von der FU Berlin und den Festspielen gemeinsam initiiertes Wochenende, bei dem...
Wenn zum Jubiläum eines Orchesters vier voneinander unabhängige Buchpublikationen auf den Markt kommen, muss es sich um einen besonderen Klangkörper handeln. Quod erat demonstrandum, sind es doch die Berliner Philharmoniker, die auf eine hundertfünfundzwanzigjährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Viel mehr als ihren Anlass haben die Bücher allerdings kaum...
Dem Klischee, dass für die Partie der Amina in Bellinis «Sonnambula» Anmut und Agilität ausreichen, hat keiner energischer widersprochen als Felice Romani, der Librettist. «Auch wenn es auf den ersten Blick den Anschein hat, als sei die Rolle leicht darzustellen, ist sie wahrscheinlich schwieriger als andere, die bedeutender wirken mögen.» Dass Amina und Norma...
