Beschaulicher Wahnsinn

New York, Donizetti: Lucia di Lammermoor

Opernwelt - Logo

Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen nicht gerecht geworden.


Das Markenzeichen und Erfolgsrezept dieser hoch gelobten Künstlerin sind äußerst konzentrierte, visuell verführerische, komplex konstruierte, gleichwohl spielerische Adaptionen von Weltliteratur: Prousts «A la recherche du temps perdu» schnurrte bei ihr zu «Eleven Rooms of Proust» zusammen, ferner dienten (unter anderem) Leonardo da Vincis «Notizbücher», die «Metamorphosen» von Ovid und Homers «Odyssee» als Vorlagen. Für jedes Projekt musste sie eine eigene theatralische Welt erfinden, die ihr eigenes, unverwechselbares Tempo hatte. Opernregisseure genießen zwar viele andere Freiheiten, doch kommen sie nicht umhin, sich nach den Zeitvorgaben des Komponisten zu richten. Es hilft, der Musik zu vertrauen. Bei Zimmerman ist davon leider nichts zu spüren.
Ihre Ahnungslosigkeit in puncto musikalische ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2007
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Liebe, Zank und Versöhnung

Alptraum oder Traum im antiken Athen? Auf dass der Nachschub an Kriegern funktioniere, sollte «mann» in jedem Fall zwei Frauen heiraten. Das zumindest behaupten – historisch wohl nicht ganz korrekt – Georg Philipp Telemann und sein Librettist Johann Ulrich ­König in ihrer 1721 in Hamburg uraufgeführten Oper «Der geduldige Sokrates». Also muss der Philosoph nicht...

Gluck: Iphigénie en Tauride

Ivor Bolton hat vor allem als Barockspezialist Karriere gemacht – an Orgel und Cembalo sowie am Dirigentenpult. Seine Interpretationen zeichnen sich heute durch einen eminent persönlichen Stil aus. Er ist weit davon entfernt, bloß die jüngsten Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis zu exekutieren. Glucks «Iphigénie en Tauride» hat Bolton schon oft...

Made in Vienna and America

Leonie Rysanek war ein Bühnentier, das sich in der Sterilität des Studios nicht ausleben konnte. Deshalb geben ihre Schallplattenaufnahmen nur einen vagen Eindruck ihres Künstlertums. Umso wertvoller sind die Mitschnitte ihrer Theaterauftritte, die in den letzten Jahren verstärkt und auch ganz legal auf den Markt gekommen sind. Die Vibrationen ihres dramatischen...