Beschaulicher Wahnsinn
Dass die amerikanische Regisseurin Mary Zimmerman vor ihrem Debüt an der Met noch nie eine Oper inszeniert hatte, spricht nicht unbedingt gegen sie. Ob ihre bisherige Arbeit mit Schauspielern oder ein siebter Sinn fürs Theater sie auch für das Musiktheater befähigt, steht auf einem anderen Blatt. Nach «Lucia di Lammermoor» muss man sagen: Sie ist diesen Ansprüchen nicht gerecht geworden.
Das Markenzeichen und Erfolgsrezept dieser hoch gelobten Künstlerin sind äußerst konzentrierte, visuell verführerische, komplex konstruierte, gleichwohl spielerische Adaptionen von Weltliteratur: Prousts «A la recherche du temps perdu» schnurrte bei ihr zu «Eleven Rooms of Proust» zusammen, ferner dienten (unter anderem) Leonardo da Vincis «Notizbücher», die «Metamorphosen» von Ovid und Homers «Odyssee» als Vorlagen. Für jedes Projekt musste sie eine eigene theatralische Welt erfinden, die ihr eigenes, unverwechselbares Tempo hatte. Opernregisseure genießen zwar viele andere Freiheiten, doch kommen sie nicht umhin, sich nach den Zeitvorgaben des Komponisten zu richten. Es hilft, der Musik zu vertrauen. Bei Zimmerman ist davon leider nichts zu spüren.
Ihre Ahnungslosigkeit in puncto musikalische ...
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