Prinzip Hoffnung
Wohl kein Komponist der neueren Musikgeschichte wird so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die 1910 an der New Yorker Met uraufgeführten «Königskinder», damals ein weltweiter Sensationserfolg, führen heute ein Schattendasein. Das Stück leidet unter dem pseudopoetischen Märchenverschnitt seines Librettos, das Romantik, Gesellschaftsgroteske und Symbolismus unter einen Hut zwingt, mehr noch allerdings unter dem musikalischen Leerlauf der eklektischen Wagner-Nachfolge.
Hellastadt sucht einen neuen König. Die Hexe vom Hellawald prophezeit, es werde derjenige sein, der am nächsten Tag als Erster durchs Stadttor tritt. Doch der junge Königssohn hat unerkannt bereits als Schweinehirt Unterschlupf gefunden. Als zur Mittagsglocke die Gänsemagd mit der Krone erscheint, werden beide von den Bürgern verhöhnt und gnadenlos aus der Stadt gejagt. Am Ende verhungern und erfrieren sie in der winterlich kalten, mutwillig von den Städtern zerstörten Natur. Dieter Richter hat die Stationen der Handlung im Theater Münster in drei atmosphärisch dichten, eindrucksvoll gebauten Räumen auf die Bühne gestellt und ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Antoine ist düster. Ahnt der junge Mann etwas? Gemeinsam mit anderen Bauern und mit den Tieren ist er vom heimat -lichen Dorf zur Sömmerung auf die Alpe Derborence gestiegen. Bald legt er sich auf seinem Strohsack in der einfachen Hütte schlafen – da geschieht es: Es donnert ein Felssturz auf die Alpe herab und begräbt alles Lebendige unter Steinmassen. Ein...
In Shakespeares Stücken steckt viel Musik, metaphorisch wie szenisch. Seine Sprache spielt oft auf Musik an. «Wenn die Musik der Liebe Nahrung ist, / spielt weiter! Gebt mir volles Maß! dass so / Die übersatte Lust erkrank und sterbe. – Die Weise noch einmal!», heißt es zu Beginn von «Was ihr wollt». Aber welche Weise da eigentlich von den Musikanten des Herzogs...
Nur ein einziges Mal, etwa in der Mitte des Stücks, wird die Beziehung der beiden Frauen klar: «Mommy», singt da Bibi, worauf Lumee mit einem Wutausbruch reagiert, dass die Tochter es wagte, sie als Mutter anzusprechen. Es ist die Schlüsselszene in Ellen Reids Kammeroper «PRISM» auf ein Libretto von Roxie Perkins. Die amerikanische Komponistin aus Tennessee gewann...
