Prinzip Hoffnung
Wohl kein Komponist der neueren Musikgeschichte wird so ausschließlich mit einem einzigen Werk identifiziert wie Engelbert Humperdinck mit seiner Märchenoper «Hänsel und Gretel». Selbst die 1910 an der New Yorker Met uraufgeführten «Königskinder», damals ein weltweiter Sensationserfolg, führen heute ein Schattendasein. Das Stück leidet unter dem pseudopoetischen Märchenverschnitt seines Librettos, das Romantik, Gesellschaftsgroteske und Symbolismus unter einen Hut zwingt, mehr noch allerdings unter dem musikalischen Leerlauf der eklektischen Wagner-Nachfolge.
Hellastadt sucht einen neuen König. Die Hexe vom Hellawald prophezeit, es werde derjenige sein, der am nächsten Tag als Erster durchs Stadttor tritt. Doch der junge Königssohn hat unerkannt bereits als Schweinehirt Unterschlupf gefunden. Als zur Mittagsglocke die Gänsemagd mit der Krone erscheint, werden beide von den Bürgern verhöhnt und gnadenlos aus der Stadt gejagt. Am Ende verhungern und erfrieren sie in der winterlich kalten, mutwillig von den Städtern zerstörten Natur. Dieter Richter hat die Stationen der Handlung im Theater Münster in drei atmosphärisch dichten, eindrucksvoll gebauten Räumen auf die Bühne gestellt und ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Dialektisches Denken
Es ist kaum zu glauben, aber wahr: Im Januar 2025 feiert Peter Konwitschny seinen 80. Geburtstag. Schöpferisch ist er nach wie vor einer der besten Regisseure unserer Zeit; kürzlich erst hat er in Tokio die «Frau ohne Schatten» in Szene gesetzt. Die Oper Dortmund zeigt im Mai zyklisch seine grandiose «Ring»-Inszenierung, auch an anderen Häusern...
Dolce vita mit Pizza ’Ndrangheta: In Hagen spielt eine französische Operette im italienischen Mafia-Milieu. Der Titelheld ist ein Gangster, sein Gegenspieler, König Bobèche, ein Emporkömmling aus der Halbwelt, mit einer frappierenden Ähnlichkeit zu Silvio Berlusconi. Der vielleicht schamloseste italienische Politiker der jüngeren Geschichte eignet sich gut als...
Der Titel des achten (und vor dem Epilog) letzten Bildes aus Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin» verrät kaum, welch gewaltige Peripetie in ihm steckt und wie viel von der Idee eines Menschen in der Revolte. «Konzert» ist dieses Bild überschrieben, und ein ebensolches steht nun auch in jenem Raum des Badehauses im KZ Auschwitz an, der jedoch im Theater...
