Vergesst uns nie!
Der Titel des achten (und vor dem Epilog) letzten Bildes aus Mieczysław Weinbergs Oper «Die Passagierin» verrät kaum, welch gewaltige Peripetie in ihm steckt und wie viel von der Idee eines Menschen in der Revolte. «Konzert» ist dieses Bild überschrieben, und ein ebensolches steht nun auch in jenem Raum des Badehauses im KZ Auschwitz an, der jedoch im Theater Lübeck kaum als solcher auszumachen ist. Das «Häftlingsorchester» sitzt hier nicht direkt vor den Augen der SS-Männer und Aufseher sowie der Häftlinge, die starr staunend am Rand harren.
(Fast) alles andere stimmt mit dem Original überein: Der namenlose Kommandant des Konzentrationslagers, für den eigens ein Stuhl reserviert wurde, wünscht sich seinen Lieblingswalzer, und als Tadeusz, Martas Verlobter, mit der Violine in der Hand die Szenerie betritt, rechnet wohl niemand damit, dass sich gleich etwas Einzigartiges zutragen wird. Ein Mensch bekundet seine Autonomie (so als wolle er jenen Satz des russisch-jüdischen Dichters Josip Brodsky beglaubigen, wonach ein freier Mensch einer sei, der nicht klage, wenn er eine Niederlage erleide), und er tut dies im Angesicht einer rücksichtslosen Vernichtungsmaschinerie, von der er weiß, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Jürgen Otten
Natürlich kann man sagen, dass Macbeth dergleichen mit einer anderen Frau an seiner Seite nicht passiert wäre. Vor allem hätte er einfach nur abwarten müssen. Es läuft ja ohnehin schon alles in seine Richtung, sein vermeintlich unaufhaltsamer Aufstieg hat längst begonnen. Macbeth jedoch ist zu ungeduldig. Immerhin hat er nachher den Anstand, das nicht seiner...
Schweres Blei, Quecksilber, zerstoßenes Kirchenfenster-Glas, ein Luchs- und ein Wiedehopf-Auge: Es gibt gewiss schmackhaftere Eintöpfe. Max trinkt das Gebräu aus einem Messkelch – und erbricht sich sodann. Sechsmal macht es pling in einer Metallschale, es sind die Freikugeln, die er hervorwürgt. Den siebten Schluck für die letzte Kugel genehmigt sich Kaspar, er...
Im Plenarsaal des Deutschen Bundestages werden 16 Nonnen hingerichtet. Eine nach der anderen sinken sie zu Boden, darüber schwebt drohend der Bundesadler. Ein Ort, der vielen als Symbol der Rechtsstaatlichkeit gilt, wird zum Schauplatz des Terrors. Die ungeheuerliche Szene bringt die Befürchtungen auf den Punkt, die Regisseur Paul Georg-Dittrich und sein Team für...
