Pogrom im Fischerdorf
«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom Fischerdorf in emsiger Aktion zu sehen. Der Gerichtssaal des Beginns ist auch der Strand, das Gasthaus, die Festhalle und Peters Felshütte. Ergo: alles – und nichts richtig? Auf Dauer: nein.
Jürgen Hoffmanns Lichtregie leistet ganze Arbeit: Plötzlich erkennt man etwa in der Hütte Fischereiutensilien, die man nicht beachtete, solange die Allzweckkonstruktion aus Pfosten, Tauen und Stegen die Kneipe «Zum Eber» war. Kleiner Verweis auf den Tageslauf im Dorf, wie nebenbei: Die Leute, die den ganzen Abend über hoch oben auf von der Decke herabhängenden Stühlen schweben, lässt der Regisseur David Pountney ein Spielzeugnetz ausbessern, ein Boot en miniature streichen... Ihre permanente Anwesenheit lässt alle Vorgänge im Gemeinwesen öffentlich erscheinen und nichts und niemanden unbeobachtet: keine Chance für Peter und Ellen, je ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Bassariden», ließ Hans Werner Henze anlässlich einer von Gerd Albrecht geleiteten konzertanten Aufführung in Berlin vernehmen, deren Mitschnitt 1991 auf CD erschien, halte er im Rückblick für sein «wichtigstes Theaterwerk». Er verstehe sie aus der Distanz viel besser, liebe sie auch viel mehr als damals (1965/66), «als ich sie schrieb – hektisch und in einer...
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde,...
«La Bohème» ganz realistisch, detailverliebt, in perfektem Einklang mit der Tradition. Die einzige Konzession an den Gegenwartsgeschmack: zeitlose bis heutige Kostüme. Ohne sie wäre die Saarbrücker «Bohème»-Neuinszenierung von Lutz Hochstraate auch vor vierzig, fünfzig Jahren ohne weiteres vorstellbar gewesen.
Frei von Irritationen läuft die Handlung ab. Da...
