Poesie im Ballhaus
Puccinis Commedia lirica ist strenggenommen ein dramaturgisches mixtum compositum: Der «Traviata» scheint die entsagungsvolle Kurtisane entnommen, der «Fledermaus» das in der Toilette seiner Chefin auf dem Ball erscheinende Dienstmädchen. Zu allem Überfluss spielt auch noch die «Lustige Witwe» mit ihren Grisetten ins Geschehen hinein. Uneinheitlich wie die Handlung ist zudem Puccinis Partitur.
Vokales, wie etwa Magdas Arien, klingen nach «La fanciulla del West», während sich das zum Quartett geweitete, vom Chor gestützte Trinklied ihres Liebhabers Ruggero ausnimmt, als habe Puccini auf eine Variante zur «Bohème» gezielt. In tänzerischen Momenten klingt deutlich auch Lehár an. Für Regie und Ausstattung bedeutet «La rondine» eigentlich ein Himmelfahrtskommando. Im Bewusstsein der obwaltenden Problematik entlockt Paul-Émile Fourny dem disparaten Werk ein unerwartetes Maß an Poesie. Der Intendant der Oper Metz setzt sich deutlich von der Trivialität der Handlung ab, indem er sie als Metatheater auffasst. Schauplatz für alle drei Akte ist ein heruntergekommener und längst nicht mehr bespielter Theatersaal, den Benito Leonori beinahe spiegelbildlich zur Louis XV.-Anmutung des Metzer ...
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Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Michael Kaminski
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