Grenzerlebnis
Der Tunnel am Ende des Lichts, das Schweben durch den Sterberaum, das Zusammentreffen mit bereits hinübergegangenen Verwandten: So kennt man das aus Berichten über Nahttoderlebnisse. Manches wird von der Hirnforschung sogar bestätigt. Nichts dergleichen passiert Tamino. Das sind andere Gestalten, die ihm begegnen. Ein Dämon, eine Mixtur aus Hahn, Mephisto und Joker, der sich Papageno und «Seelenfänger» nennt. Ein archaischer Priester zwischen Asia-Gottheit und Bischof. Eine Königin mit explodierter Frisur, die während ihrer Arie ihre aufblasbaren Stacheln ausfährt.
Ein Underdog, der sein transparentes Riesengemächt zu verbergen sucht. Und ein Wesen, das so aussieht wie Tamino: Krankenhemd, Stoffhaube mit merkwürdigen Stöpseln auf dem Kopf. Das ist Pamina, seine andere, weibliche und, so zumindest behauptet das die Regie, auch bessere Hälfte.
Mozarts «Zauberflöte» als Grenzerlebnis am Rande zum Jenseits, als Rückblende oder Vision, dazu eine Portion Anima-Animus-Lehre à la C. G. Jung, das riecht nach Dramaturgenschweiß. Man kann am Staatstheater Nürnberg diesen Prämissen nachspüren und ihre szenische Realisierung (die nicht immer gelingt) überprüfen. Man kann sich dieser ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2024
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Markus Thiel
Die Oper «Sita» nach dem indischen Nationalepos «Ramayana» entstand 1908/09. Nachdem Gustav Holst sie bei einem in England ausgeschriebenen Wettbewerb eingereicht und «nur» den zweiten Preis gewonnen hatte, unternahm er bis zu seinem Tod keine weiteren Anstrengungen mehr für eine Bühnenumsetzung. Erst für die Erstproduktion am Staatstheater Saarbrücken anlässlich...
Bekanntermaßen gingen zigtausende Partituren im Meer des Vergessens verloren. Seit Felix Mendelssohns Wiederaufführung der «Matthäus-Passion» ist die Erforschung und Veröffentlichung versunkener Schätze ein Merkmal der globalen Musikkultur. Wobei unvermeidlich auch viel Treibgut angespült wird. «Satanella or The Power of Love», die 1858 uraufgeführte, jetzt...
Natürlich kann man sagen, dass Macbeth dergleichen mit einer anderen Frau an seiner Seite nicht passiert wäre. Vor allem hätte er einfach nur abwarten müssen. Es läuft ja ohnehin schon alles in seine Richtung, sein vermeintlich unaufhaltsamer Aufstieg hat längst begonnen. Macbeth jedoch ist zu ungeduldig. Immerhin hat er nachher den Anstand, das nicht seiner...
