Phantombegriff, Zauberwort
Sinnlichkeit auf der Bühne und intellektuell-übersinnliche Diskurse schließen einander nicht aus. Zu Zeiten von «Regietheater» und «Postdramatik» geht es um Grundfragen zum Komplex Werk/ Werktreue. Haben die Begriffe noch Sinn? «Was ist Werk, was Treue?», lautet der Untertitel eines Buchs, dem ein Symposium von 2010 zugrunde liegt, Teil des Zürcher Universitätslehrgangs «Executive Master in Arts Administration». Dessen Leiter, der Österreicher Gerhard Brunner, Jurist, ehemals Musikkritiker in Wien, später Intendant der Oper Graz, fragt nach «Treue und Verrat».
Es geht um «eine neue und kritische Bewertung aller Schichten des Gesamtkunstwerks Oper» – ein Projekt, das angesichts der Liste referierender Fachleute Erkenntnisgewinn verspricht.
Wie viel Freiheit der Darbietung und wie viel Fantasie der Interpretation vertragen, erfordern die Kunstwerke des Musiktheaters? Brunner hat für die drei Abschnitte des Buchs, das er zusammen mit Sarah Zalfen herausgegeben hat, die Instanzen Wissenschaft, Kunst und Öffentlichkeit in Stellung gebracht. Und bietet auch Proben aus den jeweils nachfolgenden Podiumsdebatten. Wohin die Reise geht, deutet Brunner, der nicht zum konservativen Lager ...
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Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 26
von Wolfgang Schreiber
Ein kleiner, weiß auf schwarz gestrichelter Stern leuchtet auf. Er wird größer, nimmt die Zuschauer mit ins Wunderreich der Nacht, ins Weltall, wo Planeten kreisen und Myriaden von Sternen. Die Reise endet im Nichts, in der Auslöschung. Es gibt kein Glück, weder in Cornwall noch auf Kareol, weder für Tristan noch für Isolde. Das ist in Hermann Schneiders...
Spät hat die Lyric Opera of Chicago Händel für sich entdeckt. Auf einen konzertanten «Rinaldo» (1984) in der verstümmelten Fassung, die Marilyn Horne im selben Jahr an der Met herausgebracht hatte, folgte ein Jahr später eine ähnlich invasive Bearbeitung des Oratoriums «Samson» mit Jon Vickers in der Titelrolle. Erst mit der Aufführung der an zahlreiche Häuser...
Im Paris des 19. Jahrhunderts war Daniel-François-Esprit Auber ein Star. Ein Theaterkomponist, der nicht belehren, sondern unterhalten wollte. Ein brillanter Handwerker, der genau wusste, wie man mit Stimmen und Orchester Effekte erzielt. Die klare Satztechnik hatte er sich von Haydn und Mozart, die verführerische Melodik von Rossini abgeschaut. Er war auch ein...
