Expedition ins Nichts
Ein kleiner, weiß auf schwarz gestrichelter Stern leuchtet auf. Er wird größer, nimmt die Zuschauer mit ins Wunderreich der Nacht, ins Weltall, wo Planeten kreisen und Myriaden von Sternen. Die Reise endet im Nichts, in der Auslöschung. Es gibt kein Glück, weder in Cornwall noch auf Kareol, weder für Tristan noch für Isolde. Das ist in Hermann Schneiders «Tristan»-Inszenierung von Beginn an klar.
Der Einheitsraum von Falko Herold zeigt den Bauch eines heruntergekommenen (Raum-)Schiffs, in den sich einige Überlebende gerettet haben – neben einer Fülle von Leichen, die fast den ganzen Boden bedecken. Dass die Menschen, die hier noch leben, traumatisiert sind, ist nicht zu übersehen. Der junge Seemann und Hirte geistert wie ein Zombie durch die Szene. Lebendig sind allenfalls die beiden Dienerfiguren: Brangäne löffelt Joghurt, Kurwenal ist ein Comicfan. Tristan stakst dagegen solipsistisch durch den Raum. Nur Isolde in ihrem Business-Kostüm und mit hochgesteckten Haaren scheint einen Rest an Contenance bewahrt zu haben – selbst wenn sie aus dem Beautycase Morolds abgeschlagenen Kopf holt.
Erst der vermeintliche Todestrank reißt beide aus realer Zeit und Welt. Eine Spiegelwand ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Monika Beer
Irgendwann wurde es der Primadonna zu bunt, und das slawische Temperament siegte über die Diplomatie. «Nichts als Lügen» überschrieb Edita Gruberova ihre Presseerklärung. Keine Rede könne davon sein, dass sie Verträge für 2015 unterschrieben habe – auch wenn der Intendant dies wider besseres Wissen öffentlich behauptete. Es bleibe bei ihrer schon Wochen zuvor...
Das Detmolder Landestheater ist ein Schmuckkästchen, das gerade mal 650 Zuschauer fasst. Ideal für Barockes, Mozart und Rossini, möchte man meinen. Doch die Detmolder bescheiden sich schon seit einiger Zeit nicht mit dem, was vermeintlich angemessen scheint. Wagners «Ring des Nibelungen» haben sie bereits komplett im Spielplan, freilich in einer verkleinerten...
Vom Spätwerk Franz Schrekers zu sprechen, wäre unangemessen. Der Komponist, Jahrgang 1878, starb bekanntlich an den Folgen eines Schlaganfalls, nachdem er von den Nazis aus dem Amt als Leiter der Berliner Musikhochschule gejagt und auch sonst diffamiert worden war. Da war er Mitte fünfzig. Dennoch gibt es einen Umschwung in Schrekers Schaffen, der in den zwanziger...
