Mord im Schlachtraum
Eigentlich liegt die Frage auf der Hand: Was passiert, nachdem der Vorhang gefallen ist? Wie wird Rigoletto damit umgehen, dass ihm das einzig verbliebene Glück geraubt wurde? Die famos-furiose «Rigoletto»-Inszenierung an der Oper Halle setzt hier an – im Danach. Der traurige Titelheld ist traumatisiert vom Blick in den Leichensack, vom Blick auf seine ermordete Tochter; das Geschehene erlebt er nurmehr in Rückblenden. Louisa Proske, seit dieser Spielzeit Hausregisseurin und stellvertretende Intendantin, gibt mit Verdis Oper ihr Europa-Debüt.
Die vergangenen zehn Jahre hat sie in New York gearbeitet, 2014 die Heartbeat Opera gegründet. Das Angebot aus Sachsen-Anhalt sei «zur richtigen Zeit» gekommen, sagt sie. Gerade durch ihre Abwesenheit aus Deutschland habe sie die reiche und dichte Kulturlandschaft wieder schätzen gelernt. Dass Proske ursprünglich vom Schauspiel kommt, merkt man ihrem «Rigoletto» an. Der Abend entwickelt seine Faszination weniger mithilfe emotionaler «Berührungsmomente» als vielmehr aufgrund einer fesselnden psychologischen Personenführung.
Rigoletto dient als Narr am Hof des Herzogs von Mantua mit spitzer Zunge. Er spottet über die Höflinge, sie beleidigen ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Katharina Stork
Ricky Ian Gordon, Jahrgang 1956, ist ein produktiver Komponist, der sowohl Kunst- als auch Kabarettlieder schreibt und mit ambitionierten, abwechslungsreichen Theaterprojekten, die das ganze Spektrum von der Komödie bis zur ernsten Oper abdecken, auf sich aufmerksam gemacht hat. Die Sujets für seine Projekte gehen auf Marcel Proust, John Steinbeck, psychiatrische...
Musik soll Menschen verbinden können, über Zeiten und Räume hinweg, also zeit- und grenzenlos sein. So zumindest lauten naiver Wunschtraum und wohlmeinendes Vorurteil; auch der Glaube an eine angeblich sprachähnliche Verständlichkeit drückt sich landläufig so aus. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die Spaltung zwischen «E» und «U» hat sich – trotz der...
Sant’ Andrea della Valle, Palazzo Farnese, Engelsburg: Wer könnte diese ikonografischen Orte nicht sofort vor seinem inneren Auge abrufen, wenn er von «Tosca» hört? Und wie sollte, im Rom um 1800, die Handlung anders ablaufen als von Puccini und seinen Librettisten notiert? Aber ist «Tosca» ein derart «veristisches» Werk, dass es der Originalschauplätze überhaupt...
