Historisch falsch informiert
Es gibt (Musik-)Theaterabende, da ist man wirklich ratlos. Es entsteht der Eindruck, dass sich die Beteiligten größtenteils gar keine Mühe gegeben haben; dieser Eindruck mag ungerecht sein, doch: Er ist in der Welt. Die ganze Zeit. Eine Stunde und 40 Minuten. Tatort: Basel.
Regisseur Christof Loy und sein Team haben sich - so scheint es zumindest - gesagt: Lass uns etwas mit Schuberts «Winterreise» machen, wir haben Anne Sofie von Otter am Start! Lass uns «Oper» drüberschreiben, das lockt das Publikum an!
Hinzu kommt der renommierte Hammerklavier-Spezialist Kristian Bezuidenhout. Doch obwohl einige Male rumgetänzelt wird: Es wird kein Schuh draus. Ganz im Gegenteil. Und schon gar keine Oper. Man fühlt sich getäuscht.
Anne Sofie von Otters Stimme klingt im Piano-Bereich brüchig und zittrig; in der Mittellage drückend und gleichförmig. Und Bezuidenhout, eigentlich über alle Zweifel erhaben, arpeggiert, baut – historisch (falsch) informiert – Noten ein, lässt Noten weg; und zwar an genau den Stellen, an denen man – als Rezipient, der Schuberts Lieder in sich aufgesogen, studiert hat und liebt - es sich explizit nicht wünscht, den Sinn des Ganzen nicht spürt, nicht nacherlebt. Es ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Arno Lücker
Als das Palazzetto Bru Zane 2012 mit Johann Christian Bachs «Amadis de Gaule» seine groß angelegte, der französischen Oper des 19. Jahrhunderts gewidmete CD-Buch-Reihe startete, ahnte wohl niemand, dass diesem Unternehmen ein solch durchschlagender Erfolg beschieden sein würde. Inzwischen ist die 30. Folge erschienen. Waren es anfangs meist vergessene, aber...
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese...
Mit den klassischen Formen wie Sinfonie und Sonate oder gar der Oper hatte die Nachkriegs-Avantgarde, die sich seit 1946 alle zwei Jahre bei den Darmstädter Ferienkursen traf, nichts im Sinn. Genau um sie aber rang der grüblerische Solitär Bernd Alois Zimmermann, der sich damit zwischen alle Stühle setzte. Stil war ihm zwar, wie er einmal bekannte, «nicht...
