Seelenvoll, sonnenhell
Hätten wir nicht die Musik selbst, das Schönste an diesem Album wären die Bilder. Präziser: jene Fotografien, auf denen Martha Mödl im eleganten Abendkleid neben dem ernst dreinblickenden Wieland Wagner in ein munteres Gelächter ausbricht, als «Ring»-Heroine auf der Wagnerschen Scheibe hockt, oder im quartetto grazile mit ihrem Sangespartner Wolfgang Windgassen, dem Dirigenten Joseph Keilberth und erneut Wieland zu sehen ist.
Am eindrucksvollsten aber ist das Cover: Da steht Martha Mödl im dunklen Dirndl vor dem Bayreuther Festspielhaus, ihre rechte Hand grüblerisch an die Stirn gedrückt, die Augen geschlossen, als würden ihre Gedanken in die Ferne schweifen und sie selbst sich in jene Figur verwandeln, die als eine ihrer Paraderollen galt: die stolze, freie Frau Brünnhilde. Für den Regisseur Wagner war sie seine «unpathetische Hochdramatische» – was es ziemlich genau auf den Punkt trifft. Als Beleg mag die vorliegende Aufnahme aus dem Sommer 1955 dienen. Sie stammt aus dem Archiv des Bayerischen Rundfunks und ist nun anlässlich des 110. Geburtstags der Sängerin erschienen.
Zu hören ist der dritte Akt aus «Siegfried». Und schon im Vorspiel wird deutlich, welch enorme Qualität das ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: CD des Monats, Seite 23
von Jürgen Otten
Wer die Schönheit sucht, wird in den Filmen dieses Künstlers nur fündig, wenn er sich auf eine lange Reise begibt, vom Licht ins Dunkel. Filme von Michael Haneke sind eine Zumutung. Sie verstören, sie sind – dafür genügt es schon, allein «Funny Games» von 1997 anzuschauen – imstande, binnen zwei Stunden jeglichen Glauben an die Menschheit verlieren zu lassen. Sie...
Wagners «Tristan und Isolde» in Nordhausen? In einem Haus, das keine 500 Zuschauer fasst (und zur Premiere nur 200 Menschen reinlassen durfte)? Mit einem Orchester, das gerade mal 50 Musiker zählt, dazu jede Menge Debütanten auf, vor und hinter der Bühne? Ist das nicht ein geradezu aberwitziger Plan? Ist es. Trotzdem funktioniert er, und zwar mehr als beachtlich,...
Beinahe wäre hier eine zeitlose Inszenierung gelungen: keine Soldateska, keine Blutorgien, kein Sado-Sex in Unterwäsche. Aber so reaktionär wollte der Regisseur dann doch nicht sein, weswegen zumindest etwas Hospitalisierung geboten wird. Krankenhausbetten gehörten schon vor der Pandemie auf jede halbwegs anständige Bühne, Damiano Michieletto selbst benutzte diese...
