Mendelssohn Bartholdy: Elias
Der Aufstieg eines Außenseiters, sein unerwarteter Machtgewinn im Namen seines Gottes und schließlich sein Verzicht auf dem Höhepunkt der Macht: Felix Mendelssohn Bartholdys «Elias» ist – auch auf dem Konzertpodium – ein ungeheures theatrales Erlebnis. Dennoch hat man in der Umsetzung auf der Bühne in Mainz dem Werk eine weitere und durchaus überzeugende Dimension hinzugewonnen – genau wie einen Monat zuvor bei Bachs Johannespassion in Wiesbaden (siehe OW 4/2005).
Dabei hatte es Jens-Daniel Herzog mit dem «Elias» in einem Punkt weit leichter als Kollege Hilsdorf in Wiesbaden: Mendelssohn Bartholdy hatte auf die Figur des Evangelisten bewusst verzichtet, um der Oratorienhandlung einen dramatischen Drive zu geben. Eine Tugend haben beide Regisseure gleichermaßen verinnerlicht: Einen seichten Sandalenfilm als Opernabend bekommt man weder hüben noch drüben des Rheins zu sehen. Herzog zieht den «Elias» ins Hier und Heute einer machtkorrumpierten, mediendominierten und zwischen zwei Regimen wechselnden Gesellschaft. Das fällt genau so plakativ aus, wie es sich hier liest: Die kollektive Anrufung Baals – per Handy – misslingt, zur Anrufung des siegreichen Elias werden Cheerleader ...
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