Konkrete Utopie
Vermutlich ist Bjarní Daníelsson der einzige Opernintenant der Welt, der während der Theaterferien ein Restaurant betreibt. Mindestens drei Sommerwochen hat Bjarní – in Island redet man sich grundsätzlich mit dem Vornamen an, selbst das Telefonbuch ist nach Vornamen geordnet – jedes Jahr für den Küchendienst reserviert. Und das kam so: Auf einem Segeltörn mit einem Freund entdeckte er eines Tages ein schnuckeliges Fischerhaus am Meer, und da hatte er sogleich die Schnapsidee mit der Hobby-Gastronomie.
Man fackelte nicht lange, erwarb die kleine Immobilie, richtete sie her und versuchte sich alsbald in der Kochkunst. Mit Erfolg, wie es scheint. Der Laden in Stykkishólmur läuft. Sagt Bjarní.
Jedenfalls während der kurzen Hauptsaison, wenn die Sonne halbwegs verlässlich scheint und die Touristen kommen. Drei Wochen schmeißt er den Betrieb, drei Wochen der Freund. Warum sie sich das antun? Natürlich weil es Spaß macht. Außerdem braucht man nur zwei bis drei Autostunden, um den zweihundert Straßenkilometer nordwestlich von Reykjavík, wo rund zwei Drittel der isländischen Bevölkerung wohnt, gelegenen Küstenort zu erreichen. Und schließlich: Das Ego eines praktizierenden ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auch das bringt der Alltag an einem Doppelinstitut mit sich: Nach elf Jahren war die alte «Parsifal»-Inszenierung des damaligen Generalintendanten Kurt Horres erstmals beim Partner Duisburg zu erleben. Erst jetzt verfügt das Haus über die entsprechende Podien- und Hydrauliktechnik. Ein verstaubter Blick auf Richard Wagners Bühnenweihfestspiel? Jein. Was die...
Klänge um uns herum, Worte, live und vom Band, Bilder. Aktion, steil treppauf im Basler Foyer, auf den beiden Galerien, auf dem Flügel, mit klaustrophobischem Charakter in der gläsernen Drehtür und auch draußen, auf dem Theaterplatz, unter Assistenz eines Gabelstaplers mit Aufblendlicht. Und wir mittendrin, pausenlose einundneunzig Minuten und neun Sekunden...
Dass es so schnell gehen würde, hat sich Riccardo Muti mit Sicherheit nicht gedacht. Zu weit hatten sich der absolutistisch sein Haus regierende Maestro und die Belegschaft der Scala voneinander entfernt, als dass Vermittlungsversuche noch genützt hätten. Der Riss war nicht mehr zu kitten: Die überwältigende Mehrheit der Scala-Mitarbeiter sprach sich in einer...
