Melancholischer Pierrot in böser (Theater!-)Welt
Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen schließlich bei den Theatermenschen ausmacht, so spiegelt diese bösartige Szene parabelhaft ein Stück sowjetisch-russischer Realität.
Prokofjews Opernlibretto, von ihm selbst verfasst, basiert auf Meyerholds Gozzi-Adaption. Im recht vertrottelt wirkenden König Trèfle verbirgt sich auch ein tyrannischer Herrscher, der es geschickt versteht, schnell für alles Missgeschick einen Schuldigen auszumachen. Für König Trèfle ist es das Theater, für Stalin war es die Intelligenz, zu der auch Meyerhold zählte. Bekanntlich wurde dieser auf Befehl Stalins später erschossen. «L’Amour des trois Oranges» ist ein elegant-grimmiges Bestiarium, in dem die Gattung Mensch auftritt, ganz realistisch, wenn auch auf der zweiten Ebene: Denn auf der ersten werden schließlich Realismus und Psychologie energisch in den Theaterfundus verbannt. Die ...
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Als man sich im Teatro Colón auf die argentinische Erstaufführung von Alexander Zemlinskys «König Kandaules» vorbereitete, wurde das Haus von Streiks erschüttert (siehe OW 11/2005). Dann schien sich die Lage beruhigt zu haben: Das Colón brachte ohne nennenswerte Probleme eine Wiederaufnahme der auf einem García-Lorca-Stück basierenden Oper «La zapatera prodigiosa»...
Es sind Stationen, die sich aus der Rückschau zur Reihe fügen. 1983, Komische Oper: Am Schluss von Mussorgskys monumentalem Versuch einer «Gegengeschichtsschreibung» (Ulrich Schreiber) senkt sich ein riesiges Leichentuch über Bühne, Volk und Herrscher. Die DDR liegt in den letzten Zügen. Eine «Zeit der Wirren» scheint antizipiert, ganz wie beim historischen Zaren...
Es war die Idee des Verlegers Giulio Ricordi, zwei vorher nur mäßig erfolgreiche und in ihren künstlerischen Ambitionen grundverschiedene Männer wie Arrigo Boito und Amilcare Ponchielli zu einem Erfolgsteam zusammenzubringen, ja, zu zwingen. Boito hatte mit seiner ehrgeizigen Goethe-Adaption «Mefistofele» (1868) einen der größten Skandale der Operngeschichte...
