Melancholischer Pierrot in böser (Theater!-)Welt
Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen schließlich bei den Theatermenschen ausmacht, so spiegelt diese bösartige Szene parabelhaft ein Stück sowjetisch-russischer Realität.
Prokofjews Opernlibretto, von ihm selbst verfasst, basiert auf Meyerholds Gozzi-Adaption. Im recht vertrottelt wirkenden König Trèfle verbirgt sich auch ein tyrannischer Herrscher, der es geschickt versteht, schnell für alles Missgeschick einen Schuldigen auszumachen. Für König Trèfle ist es das Theater, für Stalin war es die Intelligenz, zu der auch Meyerhold zählte. Bekanntlich wurde dieser auf Befehl Stalins später erschossen. «L’Amour des trois Oranges» ist ein elegant-grimmiges Bestiarium, in dem die Gattung Mensch auftritt, ganz realistisch, wenn auch auf der zweiten Ebene: Denn auf der ersten werden schließlich Realismus und Psychologie energisch in den Theaterfundus verbannt. Die ...
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Biene Maja auf der Opernbühne: Rund um eine hübsche riesige Blume (Ausstattung: Christian Schmidt) tummelt sich der junge Graf Almavia als verliebte Hummel, die sich vor einer Riege Ameisen (irre komisch und exzellent parlierend: der Männerchor des Gärtnerplatz-Theaters) immer wieder neckisch mit einem goldenen Flitterregen bestäubt. Tom Cooley singt ihn mit...
Die Werkgeschichte von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nach dem Roman von Grimmelshausen ist nicht ganz unkompliziert: Dem Werk von 1935/36 fügte Hartmann 1939 noch eine ausgedehnte Ouvertüre hinzu. Aber erst 1948 konnte unter dem ursprünglichen Titel «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» im Bayerischen Rundfunk die konzertante Uraufführung...
Wien liebt, ehrt, achtet, pflegt seine große Musikvergangenheit. Sagt man. Liest man in Reiseführern. Gilt als communis opinio. Stimmt’s auch? Nach einer angemessenen Gedenkstätte für den wichtigsten aller Staatsoperndirektoren, für Gustav Mahler, kann man lange suchen. Eine mickrige Tafel an dem Haus, von dem aus er jahrelang zum Arbeitsplatz ging, um mit Alfred...
