Die Intention des Autors sichtbar machen
Herr Stein, Sie haben vor zehn Jahren in Amsterdam «Moses und Aron» von Arnold Schönberg inszeniert. Nun sind Sie für eine neue Produktion von Hans Werner Henzes «The Bassarids» an De Nederlandse Opera zurückgekehrt. Beide Werke verhandeln fundamentale philosophische Gegensätze. Haben Sie eine Vorliebe für solche Konfrontationen?
Theater handelt immer von Gegensätzen. Nur Musicals enthalten keine Gegensätze, aber auch die kommen nur voran, wenn es wenigstens ein paar kleine Pseudo-Konflikte gibt. Sonst hätte man ja gar nichts Vernünftiges zu singen.
Seit der antiken Tragödie ist der unlösbare Konflikt, in dem sich immer mindestens zwei Kräfte gegenüberstehen, das zentrale Thema des Theaters. Meist treffen auf der Bühne zwei unterschiedliche Positionen aufeinander – Liebe und Nicht-Liebe, Leben und Tod, Intellekt und Gefühl, Rationalität und Irrationalität, was auch immer. Alles im Theater lässt sich auf diese Grundkonstellation beziehen. Im Fall von «Moses und Aron» finden wir auf der einen Seite Projekte, die scheinbar nur mit Strenge, Disziplin, Askese zu verwirklichen sind: die Gründung eines neuen Staates, eine neue Art zu leben, eine völlig neue Musik zu schreiben; am Ende ...
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So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rheinoper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...
Barock gleich Pop, diese Formel ist spätestens seit David Aldens Inszenierungen en vogue. Dass neben der Unterhaltungslust tiefe Gedanken von Schuld und Tod den Barockmenschen beherrschten, wird gern außer Acht gelassen. So auch am Staatstheater Braunschweig, wo Andreas Baesler Monteverdis «Krönung der Poppea» inszeniert hat. Denn wo Barock Pop ist, ist Liebe...
Das Theater besitzt, besser: besaß manchmal auch eine prophetische Kraft, ein feines Sensorium für kommende Ereignisse. Prokofjews «Liebe zu den drei Orangen» darf insofern nicht nur als unterhaltsame Heiterkeit gesehen werden. Wenn der König, nachdem sein Sohn, der schwermütige Prinz, sich gegen ihn gestellt und ihn verlassen hat, einen Schuldigen sucht und diesen...
