Meisterwerk wider Willen

Krzysztof Warlikowski und Kent Nagano erfinden Leonard Bernsteins «A Quiet Place» als einen psychoanalytischen Tragikomödien- Geniestreich neu

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Es kommt nicht eben häufig vor, dass ein Komponist eine frühere Oper nach 30 Jahren wiederverwendet, ja, sogar als Prequel, als Vorläufergeschichte verwendet, um ein neues Musiktheaterwerk zu hoffentlich größerem Ruhm zu führen und damit auch dramaturgisch-erzählerisch zu rehabilitieren. Im Zeichen von Leonard Bernsteins letzter Oper «A Quiet Place» aus dem Jahr 1983 geschah aber eben dies mit «Trouble in Tahiti» von 1952. Der «Tahiti»-Einakter wurde, nach anfänglichem Misserfolg von «A Quiet Place», zum Prolog der letztgenannten Oper.

Es entstand eine überabeitete Version, mit der Bernstein wiederum nicht ganz zufrieden war. Jetzt konnte man an der Opéra national de Paris «A Quiet Place» im neuen Gewand erleben, von dem viel schmissigeren «Trouble in Tahiti» sozusagen «befreit». Und in der Tat haben wir es anhand dieser neuen Produktion mit einer beeindruckenden Befreiung zu tun; einer Befreiung im Zusammenwirken mit einer revitalisierenden Orchestration von Garth Edwin Sunderland. 

Die Uraufführung von «A Quiet Place» an der Houston Grand Opera am 17. Juni 1983 markierte den Beginn einer Werkgenese, die man – um Bernsteins Muttersprache gerecht zu werden – als «Struggle», als ...

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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 12
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