Enttäuschend

Nadia Boulangers und Raoul Pugnos Oper «La ville morte» in einer fragwürdigen Rekonstruktion

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Nadia Boulanger war als Dirigentin, Pianistin und Pädagogin lebenslang eine Vorkämpferin gegen die Marginalisierung weiblicher Kreativität. Generationen von Musikerinnen und Musikern sind durch ihren strengen Unterricht gegangen. Als Komponistin ist sie früh verstummt nach dem Tod ihres Mentors, Klavierpartners und Liebhabers Raoul Pugno sowie ihrer hochbegabten Schwester Lili. Der gemeinsam mit Pugno verfasste Liederzyklus «Les heures claires» («Lichte Stunden») auf melancholisch-zarte Liebesgedichte des flämischen Lyrikers Émile Verhaeren gilt als ihr bedeutendstes Werk.

Weniger klingende Wirklichkeit als vages Gerücht war bisher ihre ebenfalls in Zusammenarbeit mit Pugno entstandene einzige Oper «La ville morte», für die der italienische Symbolist Gabriele D’Annunzio seine 1898 uraufgeführte Tragödie «La città morta» bearbeitet hatte.

«La ville morte» lag zum Zeitpunkt von Pugnos Tod weitgehend abgeschlossen vor. Die 1914 von der Pariser Opéra Comique geplante Premiere wurde nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs allerdings abgesagt. In den Wirren des Kriegsendes ging die Partitur verloren. Überliefert sind nur der komplette Klavierauszug (Akt eins und vier in der Handschrift ...

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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Medien, Seite 47
von Uwe Schweikert

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