Massenet: Werther
Am Ende lacht Charlotte. Werthers Selbstmord bedeutet für die junge Frau ein Erwachen aus einem amourösen Alptraum. Regisseurin Kornelia Repschläger rückt mit ihrer durchdachten Inszenierung am Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin Charlottes ambivalente Gefühlslage in den Mittelpunkt.
Bei ihrem ersten Auftritt trägt Charlotte eine weiße Rüschenschürze, schneidet den jüngeren Geschwistern das Brot – pflichtbewusst fügt sie sich nach dem Tod der Mutter in die Rolle der treusorgenden Ersatzmutter, auch wird sie den ihr zugewiesenen Mann heiraten.
Diesen Albert porträtiert Roman Grübner mit elegant geführtem Bariton als verklemmt-lüsternen Analphabeten der Gefühle. Kein Wunder, dass Charlotte nicht von Werther lassen kann: Seine Emotionalität, seine Todessehnsucht ziehen die tiefsinnige Frau magisch an.
Konsequent entwickelt Kornelia Repschläger diese Grundkonstellation als Kammerspiel auf Leben und Tod: Die Handlung hat sie deutlich gestrafft, die Episoden mit den Freunden des Amtmanns, Johann und Schmidt, gestrichen. Ausstatter Rainer Sinell hat in die dunklen, leeren Bühnenräume riesengroße Schriftstücke – Werthers Briefe – gehängt. Die Gedanken des Schreibers bestimmen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Grunde, will man uns Dummies immer wieder weismachen, ist Oper ja nichts anderes als Kino: großes Gefühl, große Bühne, großer Sound. Plácido Domingos L. A. Opera zieht aus dieser populären Annahme ihre eigenen Konsequenzen und engagiert Leute aus der Nachbarschaft.
Zwar hat der «Ring» mit George Lucas’ Spezialeffekt-Firma dann doch nicht funktioniert, weil der...
Enrico Caruso war noch kein Star, als er die Rolle des Federico in Francesco Cileas «L’Arlesiana» übernahm. Die Uraufführung dieser Oper am 27. November 1897 im Mailänder Teatro Lirico, die nicht zuletzt dank seiner Leistung ein großer Erfolg wurde, darf als sein eigentlicher Durchbruch gelten. Die Arie «E la solita storia» zählt seither zu den absoluten...
26. April 1986: Im Reaktorblock nahe der russischen Stadt Tschernobyl ereignet sich der Unfall, der angeblich niemals passieren sollte. Durch eine Kernschmelze wird Strahlung in hoher Menge freigesetzt, verseuchte Wolken ziehen über Russland bis nach Süddeutschland und weiter. Während seiner Inszenierung von Wagners «Ring des Nibelungen» 1981-1986 am Krefelder...
