Lustvoll an der Oberfläche
Blutüberströmte Kinderleichen, literweise Sperma, durchbohrte, geschändete Körper, Regie-Berserker, Bühnen-Radikaler ‒ ob Calixto Bieito solche Markenzeichen, die ihm von Dramaturgen und Marketingabteilungen der Theater voran- und von der Kritik hinterhergetragen werden, nicht langsam fad werden? Während alle Welt den Mann auf den Wiedererkennungswert «Skandal» festzerren will, versucht er selbst immer wieder, die sehnlichst erwartete Provokation (denn Theater brauchen ihre Schlagzeilen) zu umgehen.
Und damit zu zeigen, dass «Radikalität» keine Handschrift, sondern die Forderung eines Stückes sein sollte.
Und die zerschellt an einer filigranen Komödie wie Shakespeares «Sommernachtstraum», in der zwar schmerzhafte Erfahrungen mit der Liebe gemacht werden, die aber nicht die Welt umstürzen, sondern nur die schlichte Tatsache ihrer Triebsteuerung bestätigen. Die disparaten Handlungsebenen bei Shakespeare wurden von den Theaterleuten der englischen Restaurationszeit nochmals fragmentiert, verwässert und mit Musikeinlagen von Henry Purcell verquickt, so dass in der semi-opera «The Fairy Queen» von 1692/93 von einer durchgehenden Handlung nicht viel übrig blieb.
Wer also die «Fairy Queen» ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Michael Struck-Schloen
Nächstes Jahr ist Schluss. Schluss mit den anstrengenden, zeitraubenden Auftritten auf der Opernbühne. Die Marschallin will Renée Fleming noch einmal geben, in der kommenden Saison, wenn Christoph Waltz seine «Rosenkavalier»-Inszenierung aus Antwerpen an Covent Garden auffrischt (mit Andris Nelsons am Pult). Und dann ein letztes Mal an der Met. «Niemand soll sagen...
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths...
Sie schütteln lange Mähnen und tragen viel Make-up. Nieten, schwarzen Samt und Leder. Ihre Züge sind weich, die Augen blicken sympathisch. So sitzen Perttu Kivilaakso und Eicca Toppinen in einem Besprechungsraum der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Man sollte eigentlich nicht so überrascht sein, dass die beiden sich an einer Oper versucht haben. Klar, sie sind...
