Kopfgeburt
Oscar Wilde wusste genau, was er wollte: «... und dann an Stelle des Orchesters große Pfannen mit Parfüm: Die wohlduftenden Wolken steigen auf und verhüllen von Zeit zu Zeit die Bühne.» So stellte er sich seine «Salome» vor. Als Rausch, der alle Sinne anspricht, eine Feier spätantiker Dekadenz, ausgestattet in überbordendem byzantinischen Luxus. Ein Ambiente, das gleichzeitig betört und verwirrt, und mittendrin die schöne Prinzessin von Judäa, ein Rätselwesen zwischen ungezügelter Erotik und perversem Blutdurst, ein weiblicher Vampir.
Mit seiner Vertonung des symbolistischen Dramas ist Richard Strauss 1905 den Intentionen des britischen Exzentrikers sehr nahe gekommen, vor allem auch, was das orchestrale Parfüm betrifft.
Claus Guth mag dem Publikum in der Deutschen Oper Berlin jetzt nichts von alledem gönnen. In seiner «Salome»-Deutung verlegt er die Geschichte ausgerechnet in jenes Milieu, das Wilde am meisten verachtete – das Bürgertum. Nur eines sei an dieser Welt hoffnungslos, lautete das Credo des Dichters: die Mittelmäßigkeit. Ein Herrenbekleidungsgeschäft bildet bei Guth den Schauplatz der Handlung (Ausstattung: Muriel Gerstner). Die Kostüme verweisen auf die Fünfzigerjahre, ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Frederik Hanssen
Hieße der Komponist nicht Verdi – niemand würde dieses Stück spielen. Weder die 1843 für Mailand als Remake des «Nabucco»-Sensationserfolgs geschriebenen «I Lombardi alla prima crociata» noch die 1847 für Paris umfrisierte Version «Jérusalem». Die für die Neufassung verantwortlichen Librettisten übernahmen das Kreuzzugs-Ambiente, verwandelten aber die Lombarden in...
Grau verhangen, öde ist diese Landschaft. Seile hängen ins Bild. Verkohlte Sparren, bröckelnde Grabsteine, bandagierte Leichen, Betonbunker. Wie ein schwarzer Faden zieht sich dieses Ambiente durch Daniele Abbados «Attila»-Inszenierung, die als Koproduktion mit Venedigs La Fenice und dem Teatro Massimo in Palermo entstand. Bekanntlich geht es in Verdis neunter Oper...
Sie schütteln lange Mähnen und tragen viel Make-up. Nieten, schwarzen Samt und Leder. Ihre Züge sind weich, die Augen blicken sympathisch. So sitzen Perttu Kivilaakso und Eicca Toppinen in einem Besprechungsraum der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Man sollte eigentlich nicht so überrascht sein, dass die beiden sich an einer Oper versucht haben. Klar, sie sind...
