Kopfgeburt
Oscar Wilde wusste genau, was er wollte: «... und dann an Stelle des Orchesters große Pfannen mit Parfüm: Die wohlduftenden Wolken steigen auf und verhüllen von Zeit zu Zeit die Bühne.» So stellte er sich seine «Salome» vor. Als Rausch, der alle Sinne anspricht, eine Feier spätantiker Dekadenz, ausgestattet in überbordendem byzantinischen Luxus. Ein Ambiente, das gleichzeitig betört und verwirrt, und mittendrin die schöne Prinzessin von Judäa, ein Rätselwesen zwischen ungezügelter Erotik und perversem Blutdurst, ein weiblicher Vampir.
Mit seiner Vertonung des symbolistischen Dramas ist Richard Strauss 1905 den Intentionen des britischen Exzentrikers sehr nahe gekommen, vor allem auch, was das orchestrale Parfüm betrifft.
Claus Guth mag dem Publikum in der Deutschen Oper Berlin jetzt nichts von alledem gönnen. In seiner «Salome»-Deutung verlegt er die Geschichte ausgerechnet in jenes Milieu, das Wilde am meisten verachtete – das Bürgertum. Nur eines sei an dieser Welt hoffnungslos, lautete das Credo des Dichters: die Mittelmäßigkeit. Ein Herrenbekleidungsgeschäft bildet bei Guth den Schauplatz der Handlung (Ausstattung: Muriel Gerstner). Die Kostüme verweisen auf die Fünfzigerjahre, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 6
von Frederik Hanssen
Sie schütteln lange Mähnen und tragen viel Make-up. Nieten, schwarzen Samt und Leder. Ihre Züge sind weich, die Augen blicken sympathisch. So sitzen Perttu Kivilaakso und Eicca Toppinen in einem Besprechungsraum der Finnischen Nationaloper in Helsinki. Man sollte eigentlich nicht so überrascht sein, dass die beiden sich an einer Oper versucht haben. Klar, sie sind...
Wenn man ihn des Diebstahls geistigen Eigentums bezichtigte, pflegte Händel sarkastisch zu reagieren: «Diese Dummköpfe», soll er gepoltert haben, «wissen doch gar nichts mit einer guten Idee anzufangen.» Oft lag er damit richtig. Doch Alessandro Scarlatti, dem er nicht nur eine Vielzahl an melodischen Einfällen, sondern auch Vorbilder für die prägnante Gestaltung...
Die elegante Kuppel, ein Zeichen für die Stadt. Beton, Stahl, Glas, das Mark des neuen Industriereviers. Der Vorplatz, eine Bühne für die Besucher. So hatten Heinrich Rosskotten und Edgar Tritthart, die Architekten der OPER DORTMUND, sich die Botschaft ihres Entwurfs gedacht. Den geistigen Aufbruch, die mentale Wende nach den Verheerungen des Krieges sollte er...
