Ignorieren Sie mich!

Er ist ein Kopfmensch, der die Musik im Herzen trägt. Der sich und anderen das Äußerste zumutet – und dem auch so manches zugemutet worden ist. Vor anderthalb Jahren hat FRANZ WELSER-MÖST den GMD-Stab an der Wiener Staatsoper hingeschmissen. Dem Cleveland Orchestra, das er seit 14 Jahren als Chefdirigent leitet, will er bis 2022 die Treue halten. Am Attersee ließ er sich eine Bibliothek bauen; derzeit beschäftigt ihn Beethoven als Philosoph. Begegnungen mit einem Unnahbaren

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Am Tag seines Rücktritts in Wien fiel ihm der Satz wieder ein. Ein guter Freund, der ihm zur Berufung als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper gratulierte, hatte ihn gesagt. «Sie werden dich natürlich umbringen», meinte er zu Franz Welser-Möst. «Aber dann bist du ein Märtyrer. Und dann ist es zur Heiligsprechung auch nicht mehr weit.» Welser-Möst lachte darüber: beim ersten Mal, weil er den Satz für einen Scherz hielt. Beim zweiten Mal, weil er wusste, dass es keiner gewesen war. In der Zeit dazwischen hatte er nicht allzu viel zu lachen.

An den Kragen wollte ihm natürlich niemand. Aber an etwas anderes, das ihm nicht weniger bedeutet.

Franz Welser-Möst, 55, geboren in Linz, Chefdirigent des Cleveland Orchestra und von 2010 bis 2014 Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper an der Seite von Intendant Dominique Meyer, nennt den Rücktritt heute einen «Befreiungsschlag». Über die Details darf er nicht sprechen, nicht vor 2020, eine Vertraulichkeitserklärung bindet ihn. Geschadet hat ihm der Schritt nicht, Welser-Möst gehört nach wie vor zu den gefragtesten Opern- und Konzertdirigenten weltweit – erst recht, weil er sich im Opernfach exklusiv an Wien gebunden hatte, bis er mit ...

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Opernwelt März 2016
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Florian Zinnecker

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