Lucky gähnt
Lucky heißt der kleine gepunktete Hund. Sein Herrchen, ein grimmig blickender Kerl, versperrt den Weiterweg in den Eingeweiden des Gasteig-Kulturzentrums mit seinen Rohren und Tanks. Doch die Performance «Anticlock» geht weiter, später sogar per Bus in den Münchner Norden zu einer regennebelbesprühten, bemüht düsteren Installation, während der Fahrt allerdings nur mit blickdichten Schlafbrillen, so die Bedingung des Herrchens. Von einer anderen Dimension raunt derweil unsere blonde Fremdenführerin. Und das Tier reagiert vollkommen nachvollziehbar: Lucky gähnt.
Ganz anders sollte diese Münchener Musiktheater-Biennale eins nach der Ära von Peter Ruzicka sein. Fürs Zerreißen eines immer dichter ge- und versponnenen Festpielkokons wurde das Komponisten-Paar Manos Tsangaris und Daniel Ott geholt. Für ein Heraustreten aus dem Randbiotop mitten hinein in eine auf Kulinarik gepolte Metropole. Und wohl auch für augenzwinkernde Lockerungsübungen nach vielen krampfhaften Expeditionen auf vermeintlich neue Kontinente des Musiktheaters. Doch Tsangaris und Ott, gerade deshalb ist nach diesen knapp zwei Wochen die Enttäuschung so groß, sägten munter und in der Außenwirkung wenig koordiniert am ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Markus Thiel
Wie kein anderer Komponist der Gegenwart hat sich Georg Friedrich Haas in seinem Schaffen einer am Übergang vom Licht zur Dunkelheit angesiedelten Musik verschrieben. Dabei experimentiert er nicht nur mit der schattenhaften Abdunkelung der Klänge, sondern auch mit der Saalbeleuchtung. Bereits in dem groß angelegten Orchesterwerk «in vain» und in der Kammeroper...
Sehnsuchtsvoll, todesverliebt, ozeanisch ist Wagners «Tristan»-Musik. Auch kosmisch: Ein Gefühl von «Unendlichkeit» verströme sie, meint Pierre Audi, dessen erste «Tristan»-Erfahrung ins Jahr der Mondlandung 1969 fiel. Da war er zwölf. Seither ist für ihn Wagners Schritt ins chromatische Universum vom «großen Schritt für die Menschheit» nicht zu trennen.
Jetzt hat...
Vor einem Vierteljahrhundert schien der Begriff «Volk» willkommen, vor allem durch die Parole frei nach Georg Büchner, die zur Wende führte. Mittlerweile scheint das Volkshafte jedoch wieder gefährlich beim «Völkischen» anzuklopfen, und auch das Volkslied hat diesbezüglich erneut einen gewissen Ruch nationaler Enge gewonnen. Dass Christian Gerhaher also dieses...
