Sog der Finsternis
Wie kein anderer Komponist der Gegenwart hat sich Georg Friedrich Haas in seinem Schaffen einer am Übergang vom Licht zur Dunkelheit angesiedelten Musik verschrieben. Dabei experimentiert er nicht nur mit der schattenhaften Abdunkelung der Klänge, sondern auch mit der Saalbeleuchtung. Bereits in dem groß angelegten Orchesterwerk «in vain» und in der Kammeroper «Die schöne Wunde» führte ihn die Suche nach einer Intensivierung des Hörens zur zeitweilig völligen Verdunkelung des Auditoriums.
In seiner jüngsten, wie bei den beiden vorausgegangenen Auftragswerken für Schwetzingen – «Bluthaus» (2011) und «Thomas» (2013) – erneut auf ein Originallibretto seines österreichischen Landsmannes Händl Klaus entstandenen Oper «Koma» radikalisiert er diesen Schritt und macht ihn zum Ausgangspunkt der Handlung. Zwei Drittel des pausenlosen, fast zweistündigen Stücks werden bei völliger Dunkelheit gespielt. Es gibt kein Licht auf der Bühne, keines im Graben, auch die Notausgangsleuchten sind ausgeschaltet. Die Komapatientin Michaela selbst sitzt im Publikum, ist als Person nicht identifizierbar und singt nur während der Dunkelheit. Der Rest des weitgehend statischen Geschehens wird teils als ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
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Bühne
– Le Toréador: 2., 9.
– Die verkaufte Braut: 3., 6., 10.
Mörgens
– Gold!: 5.
Bad Aibling
opernbühne e. V.
Tel....
Mit ohrenbetäubendem Kreischen stürmt eine Gruppe Jugendlicher in weiß-blau gestreiften Badekappen die Bühne, unter dem donnernden Stakkato eines Pianos. Sie posieren. Sie grimassieren. Dann singen sie. Im kleinen, von Leuchtröhren erhellten Chorsaal im vierten Stock des Theaters an der Wien hat das Team um das Regie-Duo Catherine Leiter und Beate Göbel alle Hände...
Schon merkwürdig, wie routiniert, beinahe ungerührt die Musiker des Wuppertaler Sinfonieorchesters Lulu exekutieren. Der berstende Akkord, mit dem Berg ihr grausames Ende markiert, das zu einem schreienden Memento geschichtete Vertikalbild der Zwölftonreihe, die seiner Wedekind-Oper zugrunde liegt, kommt so verhalten, so beiläufig, als sei nichts passiert....
