Sog der Finsternis
Wie kein anderer Komponist der Gegenwart hat sich Georg Friedrich Haas in seinem Schaffen einer am Übergang vom Licht zur Dunkelheit angesiedelten Musik verschrieben. Dabei experimentiert er nicht nur mit der schattenhaften Abdunkelung der Klänge, sondern auch mit der Saalbeleuchtung. Bereits in dem groß angelegten Orchesterwerk «in vain» und in der Kammeroper «Die schöne Wunde» führte ihn die Suche nach einer Intensivierung des Hörens zur zeitweilig völligen Verdunkelung des Auditoriums.
In seiner jüngsten, wie bei den beiden vorausgegangenen Auftragswerken für Schwetzingen – «Bluthaus» (2011) und «Thomas» (2013) – erneut auf ein Originallibretto seines österreichischen Landsmannes Händl Klaus entstandenen Oper «Koma» radikalisiert er diesen Schritt und macht ihn zum Ausgangspunkt der Handlung. Zwei Drittel des pausenlosen, fast zweistündigen Stücks werden bei völliger Dunkelheit gespielt. Es gibt kein Licht auf der Bühne, keines im Graben, auch die Notausgangsleuchten sind ausgeschaltet. Die Komapatientin Michaela selbst sitzt im Publikum, ist als Person nicht identifizierbar und singt nur während der Dunkelheit. Der Rest des weitgehend statischen Geschehens wird teils als ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Uwe Schweikert
Opern-Tage» will das Festival in Rotterdam bieten. Unter dem Begriff wird an der Rheinmündung alles mögliche subsumiert: von objets trouvés über Klanginstallationen bis hin zu Essensschlachten in Reizwäsche. Gewiss, Gesang bekommen wir zu hören. Auch die eine oder andere Geschichte serviert. Aber Oper?
Man nehme etwa den diesjährigen «Parsifal»: Zwar spielt ein...
Kunst braucht Mut zum Risiko. Besonders zeitgenössische, das gilt auch im Musiktheater. Die Australische Nationaloper geht Wagnissen allerdings lieber aus dem Weg. Deshalb müssen die wenigen übrigen Ensembles in die Bresche springen – jüngst kam die State Opera of South Australia in Adelaide diesem Auftrag mit der Uraufführung von George Palmers «Cloudstreet»...
Im Vereinigten Königreich hatte sich bislang noch niemand an Enescus «Oedipe» herangetraut. Jetzt zeigt Covent Garden endlich die 1936 in Paris uraufgeführte Oper – gerahmt von zwei nagelneuen Werken, Mark Simpsons «Pleasure» (eine Koproduktion mit Aldeburgh Music und Opera North) und Philip Venables «4.48 Psychosis» (mit Lyric Hammersmith und der Guildhall...
