Wir sind das Folk
Vor einem Vierteljahrhundert schien der Begriff «Volk» willkommen, vor allem durch die Parole frei nach Georg Büchner, die zur Wende führte. Mittlerweile scheint das Volkshafte jedoch wieder gefährlich beim «Völkischen» anzuklopfen, und auch das Volkslied hat diesbezüglich erneut einen gewissen Ruch nationaler Enge gewonnen. Dass Christian Gerhaher also dieses Album, eine Live-Aufnahme aus dem Münchner Prinzregententheater, mit «FolksLied» betitelt, könnte auch als distanzierende Ironie verstanden werden.
Doch hat es wohl vor allem mit der Dramaturgie des Recitals zu tun. Denn Gerhaher nimmt sich britische Folklore vor, neben einigen der «Folksong Arrangements» Benjamin Brittens vor allem Bearbeitungen Haydns und Beethovens für Singstimme und Klaviertrio, geschaffen im Auftrag des schottischen Verlegers George Thomson. Wobei Volkslied-Bearbeitungen vor allem in Schottland durchaus Tradition hatten, waren manche der vermeintlichen Folksongs doch von Anfang an «Fakes», nachkomponiert vom Pädagogen McPherson. Auf jeden Fall gab Thomson zunächst die (Volkslied-)Melodien zur Bearbeitung vor und ließ die Texte danach der Musik anpassen. Viel später (1927) entstand auf diese Weise noch ...
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Opernwelt Juli 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Chris, du führst Liz jetzt rüber zu dem Tisch da. Die andern halten sie fest, du reißt ihr das Höschen runter, und dann legt Andrew los.»
«Ähm, was für ein Höschen hat sie denn?», frage ich. «Doch nicht so ein steifes Ding oder Strapsen-Salat?»
«Sie trägt zwei Paar. Eins für dich zum Ausziehen, und noch eins drunter, na, für sich halt. Wirst sehen, das flutscht.»
«Gu...
Von zart verstäubter Angst erfüllt wirken die ersten sechs der in diesem Recital versammelten Lieder. Angst vor dem Älterwerden, dem Unausweichlichen, Unwiederholbaren. Benjamin Britten schrieb diese «Songs from the Chinese» im Herbst 1957 (ein Jahr nach seinem Essay über musikalische Chinoiserien im Ballett «The Prince of Pagodas») für den Lebenspartner Peter...
Schwer zu sagen, wem das Copyright für dieses wunderschrundige Theater der Vergeblichkeit gebührt. Für diese tragikomischen Gestalten mit starrem Blick und wachem Ohr, denen das Leben längst entglitten zu sein scheint. Für die hinterlistig verschrobenen, aus Musik und schwarzem Humor gewonnenen Geschichten, die uns so rätselklar anspringen. Immer wieder. Seit sie...
