Liebe bis zur Raserei

Erstmals auf CD: Christoph Graupners faszinierendes musikalisches Schauspiel «Antiochus und Stratonica»

Dass das Repertoire der Hamburgischen Oper am Gänsemarkt nach der erfolgreichen Ausgrabung von Georg Caspar Schürmanns «Die getreue Alceste» (OW 1/2020) weitere Schätze bereithält, zeigt die Wiederentdeckung von Christoph Graupners «Antiochus und Stratonica» beim Bremer Musikfest 2019. Das «Musicalische Schau=Spiel» des 25-Jährigen, 1708 unter dem Bandwurmtitel «L’amore ammalato. Die Kranckende Liebe. Oder: Antiochus und Stratonica» mit veritablem Erfolg in Hamburg  aufgeführt, ist eine typisch norddeutsche Barockoper.

Musikalisch geht es fast vier Stunden Schlag auf Schlag: Gereimte, oft allerdings etwas langatmige Rezitative und kurze Arien wechseln mit Ensembles ab und werden nach dem Vorbild der französischen Tragédie lyrique durch Chöre, Instrumentalsätze und Tänze ergänzt. Hinzu kommen die am Gänsemarkt obligatorischen italienischen Da-Capo-Arien im Stile Alessandro Scarlattis.

Leider entwickelt sich die Handlung von Barthold Feinds sprachlich originellem Textbuch selbst für Barockverhältnisse arg umständlich. Zwei konträre Liebesgeschichten laufen weitgehend unverbunden nebeneinanderher. Antiochus, der Sohn des assyrischen Königs Seleucus, ist in seine Stiefmutter ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 41
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Im Paralleluniversum

Sein Reich ist leer. Dort, wo einst das Publikum jubelte, sind die Sitze ausgebaut. Staub, Schutt, eine Wüstenei in Schwarz-Weiß. Mit Schauspieler Klaus Müller, der die Szenerie betritt als eine aus Zeit und Welt gefallene Lear-Version, wandeln wir über die Baustelle des Augsburger Theaters. Schwindeleffekt inklusive, als es bis hinauf geht zum Schnürboden. Die...

Hoffnung auf hellere Himmel

Erinnern wir uns. 1971, das war nicht nur das Jahr, in dem Igor Strawinsky starb, Willy Brandt den Friedensnobelpreis erhielt und in der Bundesrepublik Deutschland Tausende Frauen gegen den Abtreibungsparagrafen 218 demonstrierten, nicht nur das Jahr, in dem das Berlinabkommen der vier Siegermächte sowie das Transit-Abkommen zwischen den beiden deutschen Staaten in...

Gefühlstreu

Ein ausgesprochen sympathischer Mensch, sein Name sei Schall und Rauch, verblüffte kürzlich in einem Fernsehinterview mit der Feststellung, er liebe Computerspiele wie «Warcraft». Sie verschafften ihm das nötige Ventil, um ein netter Mensch bleiben zu können und nicht von Aggressionen aufgefressen zu werden. Ähnlich mag man sich die Seelenlage von Sängerdarstellern...