Todesfluss

Giacomo Puccinis «Il tabarro» in einer instrumental vorzüglichen, sängerisch durchwachsenen Einspielung mit Marek Janowski und der Dresdner Philharmonie

Warum eigentlich machen Gockel sich zum Gespött? Die Literatur ist voll mit Geschichten von reifen Männern und weit jüngeren Ehefrauen – und den Hörnern, welche die Gatten von jungen Nebenbuhlern aufgesetzt bekommen. Natürlich hatte dies sozioökonomische Gründe: Erst im «besten» Alter war ein Mann in der Lage, eine kinderreiche Familie zu ernähren. Für den Kinderreichtum aber brauchte er eine junge Frau.

In der Commedia dell'arte und den von ihr inspirierten Theaterstücken und Opern wurden solche Konstellationen der Komik überlassen, der Verismo wiederum schärfte sie zum blutigen Drama.

Wie beispielsweise im Schauspiel «La Houppelande» (als «Mantel», aber auch als «Kaftan» zu übersetzen) von Didier Gold, das Giacomo Puccini 1912 im Théâtre Marigny zu Paris sah und  zur Oper wandelte – ein Horrorszenarium, changierend zwischen Grand Guignol und Émile Zola: Der angejahrte Seine-Schiffer Michele meuchelt den Hafenarbeiter Luigi, Liebhaber seiner jungen Frau Giorgetta, aus Eifersucht und versteckt die Leiche unter seinem weiten Mantel.

Auf dem Cover der vorliegenden CD ist Land unter: Die Seine scheint übers Ufer getreten, im Vordergrund sieht sich ein Kapuzenmann die Misere an. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 39
von Gerhard Persché

Weitere Beiträge
Müde Recken

Krasnojarsk ist 3.500 Kilometer von Moskau entfernt und zählt mehr als eine Million Einwohner. Es liegt an den nördlichen Ausläufern des Ostsajan, eines Gebirges, dessen landschaftliche Schönheit einen Vergleich mit den Alpen nicht zu scheuen braucht, und am Ufer des Jenissej, den schon Anton Tschechow als schönsten Fluss Russlands bezeichnete. Gleichviel: Die...

Schmerzlich schön

Gute Frage. Aber nicht leicht zu beantworten, weil existenziell und tiefgründig: «Wer bin ich?» Hera Hyesang Park stellte sie sich dennoch. Und sie tat dies an einem Punkt ihrer Karriere, an dem es eigentlich steil aufwärts gehen sollte, die koreanische Sängerin aber, von Selbstzweifeln durchglüht, das ganze Gegenteil fühlte. All jene Koloraturen, die sonst wie...

Freude schöner Spuckefunken

«Wer g nicht von ch zu unterscheiden vermag, ist ein undeutscher Barbar», befand Richard Wagner – ungeachtet der Tatsache, dass er als gebürtiger Sachse bei harten Konsonanten selbst ein wenig zum, nun ja, Verweichlichen neigte. Seine Forderung nach deutlicher Aussprache beim Singen führte jedenfalls nicht nur oft zu den «gebellten» Konsonanten beim berüchtigten...