Todesfluss
Warum eigentlich machen Gockel sich zum Gespött? Die Literatur ist voll mit Geschichten von reifen Männern und weit jüngeren Ehefrauen – und den Hörnern, welche die Gatten von jungen Nebenbuhlern aufgesetzt bekommen. Natürlich hatte dies sozioökonomische Gründe: Erst im «besten» Alter war ein Mann in der Lage, eine kinderreiche Familie zu ernähren. Für den Kinderreichtum aber brauchte er eine junge Frau.
In der Commedia dell'arte und den von ihr inspirierten Theaterstücken und Opern wurden solche Konstellationen der Komik überlassen, der Verismo wiederum schärfte sie zum blutigen Drama.
Wie beispielsweise im Schauspiel «La Houppelande» (als «Mantel», aber auch als «Kaftan» zu übersetzen) von Didier Gold, das Giacomo Puccini 1912 im Théâtre Marigny zu Paris sah und zur Oper wandelte – ein Horrorszenarium, changierend zwischen Grand Guignol und Émile Zola: Der angejahrte Seine-Schiffer Michele meuchelt den Hafenarbeiter Luigi, Liebhaber seiner jungen Frau Giorgetta, aus Eifersucht und versteckt die Leiche unter seinem weiten Mantel.
Auf dem Cover der vorliegenden CD ist Land unter: Die Seine scheint übers Ufer getreten, im Vordergrund sieht sich ein Kapuzenmann die Misere an. ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 39
von Gerhard Persché
Lang, lang ist’s her. Genauer gesagt: mehr als ein Jahr. Am 11. März 2020 hob sich in der Metropolitan Opera zu New York letztmals der Vorhang – zu einer Aufführung von Mozarts «Così fan tutte», exzellent dirigiert von Harry Bicket und unter anderem mit einem fantastischen Ben Bliss als Ferrando. Es folgte das Unvermeidliche. Intendant Peter Gelb musste aufgrund...
Wer zu den Stammgästen der Bayreuther Festspiele zählt, ist in der Regel nicht schnell zu beeindrucken, wenn ihm jemand Richard Wagner erklärt. Es muss demnach ein Hochbegabter am Werk gewesen sein angesichts der Tatsache, dass über viele Jahre für die Einführungsmatineen eines Pianisten nicht leichter Karten zu bekommen waren als für die Opernvorstellungen selbst....
Jules Massenet teilt das Schicksal etlicher erfolgreicher Opernkomponisten des langen 19. Jahrhunderts. Nach seinem Tod 1912 geriet er unter Kitsch-Verdacht, zumal in einem Frankreich, das die eigene Tradition abschütteln wollte, indem es sich der Wagner-Nachfolge und dem Symbolismus verschrieb. Wer kennt heute noch «Le roi de Lahore», «Hérodiade» oder «Le Cid»?...
