Todesfluss

Giacomo Puccinis «Il tabarro» in einer instrumental vorzüglichen, sängerisch durchwachsenen Einspielung mit Marek Janowski und der Dresdner Philharmonie

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Warum eigentlich machen Gockel sich zum Gespött? Die Literatur ist voll mit Geschichten von reifen Männern und weit jüngeren Ehefrauen – und den Hörnern, welche die Gatten von jungen Nebenbuhlern aufgesetzt bekommen. Natürlich hatte dies sozioökonomische Gründe: Erst im «besten» Alter war ein Mann in der Lage, eine kinderreiche Familie zu ernähren. Für den Kinderreichtum aber brauchte er eine junge Frau.

In der Commedia dell'arte und den von ihr inspirierten Theaterstücken und Opern wurden solche Konstellationen der Komik überlassen, der Verismo wiederum schärfte sie zum blutigen Drama.

Wie beispielsweise im Schauspiel «La Houppelande» (als «Mantel», aber auch als «Kaftan» zu übersetzen) von Didier Gold, das Giacomo Puccini 1912 im Théâtre Marigny zu Paris sah und  zur Oper wandelte – ein Horrorszenarium, changierend zwischen Grand Guignol und Émile Zola: Der angejahrte Seine-Schiffer Michele meuchelt den Hafenarbeiter Luigi, Liebhaber seiner jungen Frau Giorgetta, aus Eifersucht und versteckt die Leiche unter seinem weiten Mantel.

Auf dem Cover der vorliegenden CD ist Land unter: Die Seine scheint übers Ufer getreten, im Vordergrund sieht sich ein Kapuzenmann die Misere an. ...

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Opernwelt April 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 39
von Gerhard Persché

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