Leidende und Liebende
Oslos Opernhaus soll mehr sein als nur ein Musentempel – begehbares Wahrzeichen der Stadt und gesellschaftlich relevanter Ort der Begegnung. Nach einigen schwierigen Jahren inklusive Corona-Pandemie zeigt sich das nun mit neuem Führungsteam auch in der Programmgestaltung.
Zur Spielzeiteröffnung kam ein Sujet auf die Bühne, das den Alltag vieler Menschen, nicht aber den offiziellen Diskurs bestimmt: «Fram» schildert die Welt- und Lebenswahrnehmung von Ameli, einer Frau, deren Leben von körperlichen Gebrechen und zunehmenden Konflikten mit ihrem Umfeld bestimmt wird, schließlich von Demenz.
Die Uraufführung in der technisch bestens ausgestatteten «Scene 2», der kleinen Spielstätte des Hauses, nimmt uns in eine Lebenswirklichkeit mit, die für Außenstehende immer fremder und nach innen immer intensiver wird: Ameli, eine pensionierte Soziologin (großartig verkörpert und gesungen durch Hege Høisæter), hat schon immer davon geträumt, den berühmten Polarforscher Fridtjof Nansen auf einer Expedition zu begleiten. Je größer die Beschwernisse im eigenen Haus und später im Heim werden, desto mehr bestimmen diese Träume ihre Realität. Sie trifft Hansen als blinde Passagierin auf seinem Schiff ...
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Opernwelt November 2023
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Stephan Knies
Das sagt sich nicht», antwortet sein Mentor Gurnemanz dem reinen Toren Parsifal, als dieser wissen will, wer oder was denn der Gral nun sei. Jenseits seines eigenen Textbuchs aber ist Richard Wagner ungleich auskunftsfreudiger und bezieht sich auf «die Trinkschale des Abendmahles, in welcher Joseph von Arimathia das Blut des Heilands am Kreuze auffing». Das heilige...
Was ist sie doch für ein elegantes Räderwerk, diese Olympia, ein Spielzeug, das selbst spielen will. Mit seinen langen Fangarmen greift es nach dem Künstler und schwingt ihn rund um die eigene Achse. Es beglückt ihn wie die Blumen, die Vögel, die Herzen, die aus den Brüsten und aus tiefer gelegenen Körperregionen schießen im zweiten Akt von «Les contes d’Hoffmann»...
Wenige Regisseure haben Wagners Tetralogie gleich zweimal inszeniert. Götz Friedrich beispielsweise legte einen «Ring» für Covent Garden und einen weiteren für die Deutsche Oper Berlin vor. Am Royal Opera House startete nun mit dem «Rheingold» die neue Lesart von Barrie Kosky, der den «Ring» ab 2009 schon in Hannover inszenierung hatte.
Noch vor Beginn des...
