Kunst ist Macht
Tolles, tristes, tragisches Bild.
Théodore Géricaults Gemälde «Das Floß der Medusa» von 1819, entstanden als Reaktion auf das schlimme Schicksal einer Gruppe von 149 Schiffbrüchigen, die drei Jahre zuvor bei dem Versuch, von Frankreich aus übers Meer nach Afrika zu gelangen, fast ausnahmslos und auf grausame Weise zu Tode gekommen waren, ist eine der prägnantesten ikonografischen Metaphern für das Leid all jener Flüchtlinge, die ihre Heimat verlassen (und verloren) haben, um sich auf den ungewissen Weg in eine ungewisse Zukunft zu begeben; Hans Werner Henze wählte das Sujet 1968 zur Vorlage für sein beklemmendes (und seinerzeit skandalträchtiges) Oratorium, der österreichische Schriftsteller Franzobel strickte daraus 2017 einen (gleichnamigen) fulminanten Roman. Auf der von Anton Lukas gebauten Bühne des Grand Théâtre de Genève, die zwei Welten zeigt – hier eine kühle Kunstwelt, dort die profane Welt eines Flüchtlingslagers –, wird das Gemälde zu Beginn des Abends von Laien nachgestellt. Als Momentaufnahme ist das eindrucksvoll. Doch im Stillen fragt man sich, was das bitte schön mit Mozarts Krönungsoper zu tun haben soll.
Die Seria, 1791 im Nationaltheater Prag uraufgeführt, ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Jürgen Otten
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