Königlich
Der König ist müde. Um genau zu sein: lebensmüde. Nichts Irdisches vermag ihn mehr zu erfreuen, nicht einmal die Göttin der Gerechtigkeit, die schöne Astraea, Tochter der Titanin Themis und des Göttervaters Zeus, kann daran etwas ändern. Folglich sehnt Siroe, Herrscher über das große Reich Persien, nur noch eines herbei – den Tod. Und ruft, gleichsam in letzter Not, die Sterne an; mögen sie seinen Weg in die Unterwelt begleiten.
Allerdings tut er das in dem Rezitativ «Son stanco» und der anschließenden Arie «Deggio morire» aus Händels Oper «Siroe, Re di Persia» mit derart formvollendeter Schönheit, dass man doch sehr geneigt ist, ihm ein ewiges Dasein auf Erden zu wünschen. Ähnliches dachten in den 1720er-Jahren auch all jene Londoner Opernfreaks, die in den Genuss kamen, die himmlische Stimme von Francesco Bernardi in der Royal Academy of Music hören zu dürfen. Senesino, so sein Künstlername, war der unumstrittene Star unter den Kastraten. Und Georg Friedrich Händel, Musikchef des Hauses, der Komponist, dem es gegeben war, ihm all diese wunderbaren Perlen auf die Stimmbänder zu schreiben. Für den italienischen Contralto verfasste Händel binnen acht Jahren nicht nur die ...
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Opernwelt April 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 37
von Jürgen Otten
Im Bewusstsein vieler deutscher Musikfreunde existiert André Messager (1853–1929) wohl allenfalls als Dirigent der Uraufführung von Debussys «Pelléas et Mélisande» (1902), in Frankreich hingegen gilt er als einer der erfolgreichsten Komponisten seiner Epoche. An die 30 Opern und Operetten hat Messager geschrieben, von letzteren ist «Véronique» (1898) bis heute im...
JUBILARE
Paul Frey studierte am Konservatorium von Toronto. 1977 kam er nach Europa und wurde ein Jahr später ans Theater Basel verpflichtet, wo er als Massenets Werther debütierte und anschließend in den großen Tenorpartien zahlreicher Opern Mozarts («Idomeneo», «Don Giovanni», «La clemenza di Tito») und Verdis («Rigoletto», «Macbeth», «Simon Boccanegra») sowie...
Sehnsuchtsort
Wer nur einmal in dieser Stadt war, wird sie kaum mehr missen wollen. Venedig, das ist nicht nur eine Perle der Architektur, das ist zudem der Ort, an dem zahllose Komponisten wirkten: Barbara Strozzi, Antonio Caldara, Tomaso Albinoni und natürlich Antonio Vivaldi. Venedig ist voll von ihren Werken, vom Geist dieser Schöpfungen. Ein Rundgang
Temper...
