Kühner Zugriff
Neben allen zutiefst berechtigten Klagen über die verheerenden Folgen der Corona-Pandemie für den Kulturbetrieb gibt es einige positive Nebeneffekte zu registrieren: Man gewinnt zunehmend den Eindruck, dass gerade kleinere und mittlere Häuser besonders kreativ mit der Krise umgehen, sich nicht vor waghalsigen Experimenten scheuen und ihre Säle auch akustisch überzeugend mit reduziertem Personal zu füllen wissen.
Den Beweis führt die rasante Verdi-Dekonstruktion (respektive Überschreibung) «Dunkel ist die Nacht, Rigoletto!» in Bielefeld, die sich an ein Kernstück des Repertoires wagt und dessen erstaunliches Talent zum Kammerstück enthüllt.
Auf Anna Schöttls grob gezimmerten Brettern, die an eine rustikale Bühne der Shakespeare-Zeit erinnern, steht zu Beginn bloß altes Gerümpel: verschlissene Koffer, zerkratzte Stühle. Dieser Sperrmüll bildet später das spärliche Mobiliar, das die Darsteller selbst auf der Bühne arrangieren. Zwei hagere ältere Männer lümmeln herum, sie sehen einander zum Verwechseln ähnlich und sind auf die gleiche Weise entstellt durch einen Buckel. Rigoletto also als gespaltene Persönlichkeit: Der eine (Stefan Imholz) wird späterhin auf Deutsch Texte aus Victor ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Regine Müller
alpha
25./26.12. – 11.00 Uhr
Bach: Weihnachtsoartorium
Herkulessaal der Münchner Residenz, 2010
Konzert mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Peter Dijkstra.
S: Harnisch, Vondung, Schmitt, Immler
arte
04.12. – 05.00 Uhr
Jacques Offenbach in Köln
Philharmonie Köln, 2012
Konzert mit Auszügen aus...
Oscar Wilde widersprach dem Moralkodex: «A dirty mind is a joy forever». Auch der Sänger Sting meinte, es gebe keine Religion außer Sex und Musik. Beide wären der Hölle versprochen, wenn der Schöpfer dem Menschen sarkastischerweise den mächtigsten Trieb geschenkt hätte, nur um diesen im Gegenzug zu verdammen. Doch die Kunst hat sich im Innersten wohl nie um die...
Moskaus Kultur ist lebendig, ungeachtet der zweiten Pandemiewelle, die mit täglich wachsenden Infektionszahlen über die Stadt rollt. Gleichwohl haben sämtliche Opernhäuser auf «Notdienst» umgestellt. Beispielsweise konnten nicht alle angesetzten «Don Carlos»-Vorstellungen im Bolschoi Theater stattfinden: Askar Abdrasakov (Filippo) und Anna Netrebko (Elisabetta)...
