Im Lustgarten
Oscar Wilde widersprach dem Moralkodex: «A dirty mind is a joy forever». Auch der Sänger Sting meinte, es gebe keine Religion außer Sex und Musik. Beide wären der Hölle versprochen, wenn der Schöpfer dem Menschen sarkastischerweise den mächtigsten Trieb geschenkt hätte, nur um diesen im Gegenzug zu verdammen. Doch die Kunst hat sich im Innersten wohl nie um die moraltheologische Bewertung libidinösen Tuns gekümmert, sondern ihre Schaffenslust und Fantasie oft aus einer entschiedenen Überschreitung des sechsten Gebots generiert. Auch im Genre des Kunstlieds.
Manchmal poetisch durch die Blume, etwa beim vom wilden Knaben gnadenlos gebrochenen Heideröslein Goethe/Schuberts oder dem offenbar auf Lesbos blühenden Veilchen, ebenfalls nach dem Text des durchaus zu Frivolitäten neigenden Dichterfürsten und in Mozarts populärer Melodie. Manchmal auch vermittels doppeldeutiger Symbole aus dem Tierreich, etwa der hingebungsvoll gestreichelten Katze (die sich so schön auf Glatze – angeblich Zeichen besonderer männlicher Potenz – reimt, wie in Schönbergs «Brettl-Liedern»). Beliebt auch der sich windende Aal oder die Ähnliches vollziehende Schlange, wie bei Mörikes «Erstem Liebeslied eines ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
alpha
25./26.12. – 11.00 Uhr
Bach: Weihnachtsoartorium
Herkulessaal der Münchner Residenz, 2010
Konzert mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks und der Akademie für Alte Musik Berlin unter der Leitung von Peter Dijkstra.
S: Harnisch, Vondung, Schmitt, Immler
arte
04.12. – 05.00 Uhr
Jacques Offenbach in Köln
Philharmonie Köln, 2012
Konzert mit Auszügen aus...
Filigran intime, von einem Streichquintett intonierte Kammermusik erklang zu Beginn der ersten Eigenproduktion der Staatsoper Stuttgart nach dem ersten Corona-Lockdown aus dem Orchestergraben – Musik irgendwo angesiedelt zwischen Verdis «Aida»-Vorspiel und dem Sextett aus Richard Strauss’«Capriccio». Es war der Auftakt zu einer ungewöhnlichen, ursprünglich schon...
Man müsse, schrieb der Dichter Charles Baudelaire 1851 in einem Aufsatz über Pierre Dupont, den populären Chansonnier der 1848er-Revolution, «ein Werk sich anverwandeln, um es recht auszudrücken». Der Bariton Laurent Naouri hat sich diese Devise zu eigen gemacht, wenn er jetzt eine CD vorlegt, auf der er französische Lieder von Gabriel Fauré, Claude Debussy und...
