Im Lustgarten
Oscar Wilde widersprach dem Moralkodex: «A dirty mind is a joy forever». Auch der Sänger Sting meinte, es gebe keine Religion außer Sex und Musik. Beide wären der Hölle versprochen, wenn der Schöpfer dem Menschen sarkastischerweise den mächtigsten Trieb geschenkt hätte, nur um diesen im Gegenzug zu verdammen. Doch die Kunst hat sich im Innersten wohl nie um die moraltheologische Bewertung libidinösen Tuns gekümmert, sondern ihre Schaffenslust und Fantasie oft aus einer entschiedenen Überschreitung des sechsten Gebots generiert. Auch im Genre des Kunstlieds.
Manchmal poetisch durch die Blume, etwa beim vom wilden Knaben gnadenlos gebrochenen Heideröslein Goethe/Schuberts oder dem offenbar auf Lesbos blühenden Veilchen, ebenfalls nach dem Text des durchaus zu Frivolitäten neigenden Dichterfürsten und in Mozarts populärer Melodie. Manchmal auch vermittels doppeldeutiger Symbole aus dem Tierreich, etwa der hingebungsvoll gestreichelten Katze (die sich so schön auf Glatze – angeblich Zeichen besonderer männlicher Potenz – reimt, wie in Schönbergs «Brettl-Liedern»). Beliebt auch der sich windende Aal oder die Ähnliches vollziehende Schlange, wie bei Mörikes «Erstem Liebeslied eines ...
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Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
Bis heute weiß niemand, warum es im Jahr 1763 nicht mehr zur Uraufführung von «Les Boréades» kam, obwohl bereits Proben für Jean-Philippe Rameaus letzte Oper stattgefunden hatten. War es das veraltete Genre der tragédie lyrique, an dem der knapp 80-Jährige festhielt, nachdem er zuvor jahrelang nichts Neues mehr komponiert hatte? Oder war es gerade die Neuheit der...
Herr Schuen, zwei «Così»-Strichfassungen: Fühlt man sich da nicht schizophren?
Ein bisschen schon. Ich bekam die Münchner Fassung ein paar Wochen im Voraus, als ich noch in Salzburg beschäftigt war. Und ich schaute erst gar nicht rein, um mich nicht zu verwirren. Als ich dann drei, vier Tage Zeit hatte, konnte ich diese Version lernen. Ich hatte das Glück, dass in...
Eine einzige Arie hat der Fürst Gremin in «Eugen Onegin» zu singen – Sava Vemić beschert sie am Gärtnerplatztheater dennoch den größten Szenenapplaus des Premierenabends. Und zu Recht. Einen Bass von solch authentischer Schwärze und derart wohlgerundeter Klangfülle hat in einer an tiefen Stimmen armen Zeit nicht jedes Haus in seinem Ensemble. Wie man hier...
