KOPFTHEATER
Als «naturalistisches Trauerspiel» bezeichnete August Strindberg sein 1889 uraufgeführtes Stück «Fräulein Julie». In knapp gezeichneten Szenen und Dialogen begeben sich die adlige Titelfigur, der von ihr begehrte (und sie begehrende) Diener Jean sowie dessen Verlobte Kristin in ein fein gesponnenes Geflecht aus brodelnden Emotionen, (un)erfüllbaren Hoffnungen; die Frage nach dem (dialektisch aufzufassenden) Machtgefälle zwischen Herr(in) und Knecht läuft dabei als eine Art Basso continuo ständig mit.
Am Ende treibt Jean Julie halb in den Selbstmord, halb erledigt sie dies aus eigenem Antrieb ...
2005 wurde in Brüssel eine Veroperung des belgischen Komponisten Philippe Boesmans auf die Bühne gebracht, in der Regie von Luc Bondy, der gemeinsam mit Marie-Louise Bischofberger auch das Libretto verfasste. Boesmans schrieb eine eher traditionsbewusste Seelenmusik mit vielen Stilzitaten, die aber ob ihrer Hingehauchtheit und engen motivischen Verklammerung doch recht autonom klingt.
In Nancy findet die Neuinszenierung seiner «Julie» an einem Sonntagnachmittag um 15 Uhr statt. Draußen herrscht ausgelassene Wochenendstimmung bei sommerlichen Temperaturen, in der Opéra national de ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jörn Florian Fuchs
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