Komm, süßer Tod!
Vier junge Menschen versammeln sich an einem Esstisch. Sie verrichten scheinbar Alltägliches. Die kaum spezifischen Requisiten (Tassen, Wassergläser, alte Fotos) finden wie beiläufig ihren Platz darauf. Bis ein ungewöhnlicher Gegenstand auftaucht: ein brauner Schuh. Er gehört offenbar keinem der vier, sie sind alle barfuß. Da taucht aus dem diffusen Licht der Hinterbühne eine fünfte Person auf, dort sind die Studierenden der Alten Musik des Konservatoriums von Lyon als Kammerorchester platziert. Vor ihnen in der Mitte sitzt nun ein älterer Herr auf einem Stuhl.
Er trägt braune Schuhe. Doch dieses Detail bemerken wir lange Zeit gar nicht, gilt die Aufmerksamkeit doch etwas anderem. Denn was die Personen am Tisch verbindet, ist weniger der reduzierten Interaktion ihrer Körper zu entnehmen, es ist ihr Gesang, mit dem sie sich verständigen. Sie intonieren zunächst in sublimer Diktion und in zartem pianissimo die Aria aus der Motette «Mit Weinen hebt sich’s an» von Johann Christoph Bach mit ihren Versen der Vergänglichkeit: «Es muss das kleinste Kind, der bittern Tränen Schar sich weinend untergeben, eh’ es sich noch besinnt, wenn’s kaum geboren ist, so höret man doch schon, dass sich ...
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Opernwelt Mai 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 20
von Peter Krause
Einer Sache kann man sich im oft wenig überraschenden Opernbetrieb sicher sein: Inszeniert David Marton, bekommt man etwas, das man in dieser Form vermutlich noch nicht gesehen hat. Auch wenn, wie im vorliegenden Fall, Corona eine gewisse Mitschuld trägt. Ursprünglich sollte Marton am Opernhaus Zürich «L’olimpiade» von Giovanni Battista Pergolesi inszenieren, eine...
Fantastische Pianisten und glühende Patrioten waren sie beide. Damit aber enden im Wesentlichen die Gemeinsamkeiten zwischen zwei der schillerndsten polnischen Musiker-Persönlichkeiten des 19. (respektive 20.) Jahrhunderts. Während Fré-déric Chopin jenem Instrument treu blieb, mit dem er auch noch flammendste humanistische Botschaften in die Welt zu senden...
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