Kraftströme
Würzburgs langjähriger, demnächst scheidender Operndirektor Berthold Warnecke war schon für so manche Entdeckung gut, brachte sein Haus aber auch gern mal an Grenzen, etwa mit Wagner oder Meyerbeer. Der neueste Streich gilt indes einer wunderbaren Rarität. Winfried Zillig wurde 1905 in Würzburg geboren und etablierte sich rasch als erfolgreicher Komponist und Dirigent; er wurde Meisterschüler von Arnold Schönberg und, nach seinem frühen Tod 1963, von Adorno als zukunftsweisender Künstler gewürdigt.
Nicht ganz aufgearbeitet ist Zilligs Wirken im Dritten Reich, da schrieb er vor allem Film- und Hörspielmusik und komponierte eher fürs stille Kämmerlein avantgardistisch weiter. Große Erfolge hatte er nach Kriegsende nicht mehr, was gerade mit Blick auf die Kurzoper «Rosse» unverständlich wirkt. Zillig verbindet hier zwölftönige Abstraktion mit tollen Tanzrhythmen, lässt bäuerlich-volkstümliche Klänge auf expressiven Klagegesang treffen. «Rosse» war Zilligs erste Oper, die er mit Mitte 20 schrieb, auf einen Text Richard Billingers. Letzteren kann man als eine Art frühen Franz Xaver Kroetz charakterisieren. Hart, kantig, oft nüchtern wird von einem Stallknecht erzählt, welcher sich fast ...
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Opernwelt Juli 2026
Rubrik: Panorama, Seite 66
von Jörn Florian Fuchs
Ein Trauerspiel ist’s. Aber keines in fünf Akten, wie gewöhnlich, sondern eines, das sich über fast sieben (nicht gar so gute) Jahre hinwegzieht und aus rund 70 Briefen und Telegrammen besteht. Die Protagonisten sind der Hofoperndirektor Gustav Mahler und ein Sänger, genauer: ein Tenor. Und da fangen die Schwierigkeiten schon an. Tenöre können Götter sein, wenn...
Letzten Dingen haftet nicht selten die Aura des Außergewöhnlichen an, zumal wenn es sich dabei um Kunstwerke handelt, deren Wirkung noch Jahrhunderte danach zu spüren ist. Ludwig van Beethovens Streichquartett op. 135 in F-Dur zählt zweifelsohne in diese Kategorie, es ist das markante Schlusswort eines in vielfacher Hinsicht revolutionären Komponisten. Er selbst...
Es wird hektisch, der Gatte naht. Ein Sprung hinter den Lehnstuhl, ein kopfloses Fliehen an der Rampe auf der Suche nach dem Versteck im Nebenraum. Normalerweise käme irgendwann der Sprung durchs Bühnenfenster in den Garten oder, manche Regisseure wollen auf den nahe liegenden Gag ja nicht verzichten, in den Orchestergraben. Man denkt an Mozarts «Figaro», muss sich...
