Kein Strahlemann

Nachruf auf den Heldentenor ohne Allüren William Cochran

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Zum Beispiel die Taube. Im Augenblick des Herniedersteigens vom Himmel als simples e in höherer Butterlage festgehalten. Gern genutzt für die Beweisführung in Sachen Pianissimo-Kultur und Atemtechnik, dabei schier endlos gedehnt. William Cochran singt über die Stelle nicht unbedingt hinweg, aber: kein Ausstellen von Tönen oder Phrasen, kein Entzücken an der eigenen Stimm-Potenz. Cochran nimmt Lohengrins Hit als das, was er in Wahrheit ist – eine Erzählung, eng orientiert an Wortbedeutung und Textrhythmus, wenn auch ein Stück weit entrückt vom Rest der Wagner’schen Partitur.

Ein typischer Moment für den US-Amerikaner, dem es ernst war. Und das betraf weniger sein Ego als seine Figuren.

Auch deshalb lässt sich die Kunst dieses Tenors nicht allein unter vokalen Gesichtspunkten bewerten. Seine Figuren-Deutungen hatten etwas Umfassendes, zutiefst Seriöses, Uneitles. Cochran gab sich offen, signalisierte Formbarkeit und Flexibilität, ohne seine eigenen Vorstellungen zu stark zurückzunehmen. Auch deshalb passte er perfekt ins Frankfurter Ensemble. Zu dessen Hochzeiten war er dort im besten Sinne der Heldentenor vom Dienst. Gipfelpunkt war sein Siegfried im legendären «Ring» von Ruth ...

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Opernwelt März 2022
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel

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