Kein Strahlemann
Zum Beispiel die Taube. Im Augenblick des Herniedersteigens vom Himmel als simples e in höherer Butterlage festgehalten. Gern genutzt für die Beweisführung in Sachen Pianissimo-Kultur und Atemtechnik, dabei schier endlos gedehnt. William Cochran singt über die Stelle nicht unbedingt hinweg, aber: kein Ausstellen von Tönen oder Phrasen, kein Entzücken an der eigenen Stimm-Potenz. Cochran nimmt Lohengrins Hit als das, was er in Wahrheit ist – eine Erzählung, eng orientiert an Wortbedeutung und Textrhythmus, wenn auch ein Stück weit entrückt vom Rest der Wagner’schen Partitur.
Ein typischer Moment für den US-Amerikaner, dem es ernst war. Und das betraf weniger sein Ego als seine Figuren.
Auch deshalb lässt sich die Kunst dieses Tenors nicht allein unter vokalen Gesichtspunkten bewerten. Seine Figuren-Deutungen hatten etwas Umfassendes, zutiefst Seriöses, Uneitles. Cochran gab sich offen, signalisierte Formbarkeit und Flexibilität, ohne seine eigenen Vorstellungen zu stark zurückzunehmen. Auch deshalb passte er perfekt ins Frankfurter Ensemble. Zu dessen Hochzeiten war er dort im besten Sinne der Heldentenor vom Dienst. Gipfelpunkt war sein Siegfried im legendären «Ring» von Ruth ...
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Opernwelt März 2022
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Markus Thiel
Eigentlich liegt die Frage auf der Hand: Was passiert, nachdem der Vorhang gefallen ist? Wie wird Rigoletto damit umgehen, dass ihm das einzig verbliebene Glück geraubt wurde? Die famos-furiose «Rigoletto»-Inszenierung an der Oper Halle setzt hier an – im Danach. Der traurige Titelheld ist traumatisiert vom Blick in den Leichensack, vom Blick auf seine ermordete...
Herr Pichon, eines Ihrer wichtigsten Projekte 2022 sind drei zusammenhängende Programme, in denen Sie Ausschnitte aus Johann Sebastian Bachs Werken neu kombinieren. Ist das Ihr barocker «Ring»?
Es ist einfach ein neuer Weg, wie wir in Bachs Meisterwerke eintauchen und sie für uns entdecken können. Und es geht darum, wie wir mit seinem Erbe umgehen, mit seinem...
alpha
06.03. - 21:45 Uhr
Rudolf Buchbinder spielt Brahms' 2. Klavierkonzert
Das zweite Klavierkonzert von Johannes Brahms, vom Komponisten ironisch als «kleines Konzertchen mit Scherzo» bezeichnet, ist eines der wichtigsten Klavierkonzerte der Romantik und gleichzeitig ein Vorbild für eine Vielzahl symphonisch konzipierter Solokonzerte in seiner Nachfolge.
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