«Ja, ich bin dankbar»

Sie ist eine der letzten Diven im Betrieb. Und Éva Marton steht dazu, auch ein halbes Jahrhundert nach ihrem sensationellen Met-Debüt. Ein Gespräch über Wagners Frauen, gute und nicht so gute Dirigenten, wunderbare Schriftsteller und die Heimat

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Es ist ein halbes Jahrhundert her, da staunte das Publikum der New Yorker Metropolitan Opera nicht schlecht: Auf der Bühne stand eine sehr junge Frau, sang die Eva in den «Meistersingern von Nürnberg» und flutete den Saal mit einer Stimme, die eigentlich fast zu groß für diese Partie war. Kein Wunder, denn parallel dazu sang Éva Marton an der Oper Frankfurt die Tosca, damals unter der Leitung von Christoph von Dohnanyi, dessen Großvater in Martons ungarischer Heimat eine Berühmtheit war. Auch die Sopranistin wurde dort bald zu einem Star. Aber nicht nur in Ungarn. Mit ihrem metallenen, ziemlich scharfkantigen Timbre eroberte Marton, deren Idole jedoch Bach, Beethoven und Bartók sind, auch die großen Opernbühnen in aller Welt. Ihre Stimme galt als «absoluter Luxus», weil sie ihr viele Rollen insbesondere im dramatischen Fach erlaubte, ohne dass sie sich allzu sehr anstrengen musste. Doch der Schein trog. Éva Marton hatte diese Stimme früh geschult, an Mozart und in vielen Kirchenkonzerten und mit einer staunenswerten Disziplin. Sie war kein Wunderkind, sie war eine Künstlerin mit einem hohen Anspruch und ist es noch heute.

Liebe Frau Marton, wissen Sie noch, was Sie am Abend des 3. November 1976, also ziemlich genau vor 50 Jahren, gemacht haben?
Oh, da muss ich kurz überlegen. Ich glaube, ich habe in New York gesungen, an der Metropolitan Opera – das Evchen in Wagners «Meistersingern».

Evchen? Im Original heißt die junge Dame so wie Sie!
Das ist richtig. Aber ich nenne sie Evchen, meine Stimme war ja beinahe zu groß für diese eher lyrische Rolle. Aber natürlich konnte ich angesichts dieses Angebots nicht nein sagen.

Die Verantwortlichen der Met hatten mich zuvor bei einem Konzert in der St. Patricks Cathedral gehört, dort habe ich die Uraufführung einer Messe von Alan Hovhaness mit dem Titel «The Way of Jesus» gesungen: ein sehr, sehr schönes Stück. Sie haben mich dann eingeladen, an der Met zu singen, was gar nicht so leicht war, da ich gleichzeitig eine Tosca in Frankfurt zugesagt hatte. Ich habe seinerzeit den inzwischen leider verstorbenen Dirigenten Christoph von Dohnányi um Terminverschiebung gebeten, und er sagte mir das zu; allerdings forderte er mich auf, die für mich einspringende Sängerin selbst zu bezahlen. Mein Ehemann, der immer sehr klug war, sagte daraufhin zu ihm: «Lieber ...

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Opernwelt Jahrbuch 2026
Rubrik: Éva Marton, Seite 124
von Jürgen Otten

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