Italienische Reise
Ein unbekannter Ritter hat beim Turnier von Ashby den als unbesiegbar geltenden Briano geschlagen. Nun erwartet er den Lorbeerkranz, überreicht von der schönen Rovena. Briano unterlag, weil er einen Augenblick lang abgelenkt war, als er die schöne Jüdin Rebecca im Publikum erblickte. In sie ist er verliebt, seit er sie in Palästina sah. Prompt beginnen die Probleme. Denn Rebecca liebt den geheimnisvollen Sieger. Der aber liebt Rovena, die auch ihn liebt. Briano entschließt sich, Rebecca zu entführen. Der unbekannte Ritter befreit sie umgehend.
Liebhaber alter Mantel- und Degen-Filme wissen es längst: Der unbekannte Ritter ist Vilfredo d’Ivanhoe. Diesmal taucht er in Gestalt eines lyrischen Tenors in einer italienischen Oper auf. Otto Nicolai hat während seines Rom-Aufenthalts in den 1830er Jahren die erfolgreichsten Opern der Zeit gründlich studiert und beherrscht das (in Deutschland verpönte) Vokabular virtuos. Die Versatzstücke schiebt er originell hin und her, jagt seine Protagonisten durch Arien und Ensembles, die mal à la Bellini, mal à la Donizetti, mal aber schon nach Verdi klingen. Hauptvorbild ist Saverio Mercadante, der erfolgreichste italienische Opernkomponist um ...
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Vilnius’ Renaissance-Schloss ist eine Baustelle. 2009 feiert Litauen das tausendjährige Jubiläum seiner ersten Erwähnung. Seit 1636 wurden hier Opern aufgeführt. Das heutige Opernhaus stammt von 1974 und erinnert mit seinen riesigen Glasfoyers, die den Blick spektakulär zum Neris-Fluss und zur Stadt hin öffnen, an eine Kreuzung aus Frankfurter Oper und Palast...
Rossini-Opern, hat man ihre Funktionsweise erst einmal durchschaut, machen glücklich. Die großen dramatischen Konfrontationen laufen wie Schneeballschlachten ab: Die Kontrahenten schleudern sich in wachsender Erregung Koloraturen-Salven ins Gesicht. Lyrische Gefühle klettern hingegen auf langen Koloraturen-Treppen gen Himmel und wieder hinab. Dramatik setzt sich...
Als Konsumgut, das dem Publikum durch Momente etwas wert sei, die der Sache gar nicht wesentlich wären, werde es zu einem anderen als es selbst, hatte Adorno vor mehr als vierzig Jahren über das Phänomen Oper formuliert. Auf trivialer Ebene entspricht diesem Statement ein Cartoon, der 2005 anlässlich des Hype um Anna Netrebko bei der «Traviata» in Salzburg in einer...
