Strauss: Elektra

Florenz

Opernwelt - Logo

Bühnenbildner Michael Levine hatte für Robert Carsens «Elektra»-Inszenierung den Boden mit Erde bedeckt – ein Bild, das ebenso an Begräbnisse wie an Verdrängtes denken ließ, das es auszugraben gilt. Abgesehen von einem Beil, mit dem Susan Bullock als kompromisslos wütende Elektra in dem schmutzigen Grund herumkritzelte, war ein schneeweißes Bett, auf dem Agnes Baltsas vitalistische Klytämnestra erschien, das einzige gegenständliche Detail. Das Bett kam von unten und diente fortan als Symbol für den von bösen Träumen ge­nährten Schuldkomplex der Mutter Elektras.


Susan Bullock sang die Titelpartie mit leidenschaftlicher Hingabe und Akkuratesse, ging dabei bis an die Grenzen ­ihrer vokalen Möglichkeiten. Sie trug das gleiche schwarze Gewand wie die Dienerinnen (Kostüme: Vazul Matusz) – ein gro­ßes Ensemble, dessen Identität sich in ­einer immer wiederkehrenden Kreisbewegung verlor. Die ständige Präsenz der Menge dämpfte (wie schon in Carsens «Iphigénie en Tauride») die Kraft der individuellen Konflikte, etwa zwischen Elek­tra und Klytämnestra. Allerdings kann eine solche Rückstufung Elektras durchaus sinnvoll sein. Zumal wenn die Titelfigur, ausdrucksstark choreografiert, bald in der ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 64
von Tom Sutcliffe

Vergriffen
Weitere Beiträge
Exzellente Rekonstruktionsarbeit

Dass Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal die im frühen 20. Jahrhundert noch junge Filmkunst sonderlich ernst genommen hätten, wird man schwerlich behaupten können. Ihr Inte­resse an dem neuen Medium war vor ­allem geschäftlicher Natur. Während sie die eigenen Werke selbstverständlich als Perlen der bürgerlichen Hochkultur begriffen, erblickten sie im Kino vor...

Furioses Familiendrama

Johann ­Simon Mayr (1763-1845), einer der erfolg­reichsten Opern­komponisten seiner Zeit, war lange nur als Lehrer Donizettis ein Begriff. Die beispiellose Renaissance, die sein Schüler in den letzten fünfzig Jahren erlebte, hat auch das Interesse an Mayrs Werken neu entfacht. Aufnahmen seiner Opern «Medea in Corinto» und «Ginevra di Scozia» dürften zur...

Editorial

Rund um die Berliner Staatsoper war es längst schon ein offenes Geheimnis: Zwischen Intendant Peter Mussbach und dem Geschäftsführenden Direktor Georg Vierthaler läuft nichts mehr. Hier der sprunghafte Kunstvisionär und unorthodoxe Steuermann eines großen Operntankers, dort der kunstferne Finanzkommissar und beinharte Manager. Das war eine Konstellation, die Unter...