Henze: Elegie für junge Liebende

Lübeck

Es sei – so schreibt der Komponist 1971 – zum Verständnis und zum Genuss seiner «Elegie» von nicht unerheblicher Wichtigkeit, die «Reibungen zwischen Farce, Tragödie, Opera buffa und Psychodrama» sichtbar zu machen – eine Forderung, die in der neuen Lübecker Produktion in hohem Maße erfüllt wird.

Auf subtile Weise spürt Reto Nicklers Regie den unterschiedlichen Ebenen des Werkes nach, gibt der Komi-Tragödie der (von Andrea Stadel hinreißend gesungenen und gespielten) Hilda Mack einen ebenso hohen Stellenwert wie dem Aufdecken seelischer Abgründe bei Mittenhofer und seiner gräflichen Sekretärin Carolina. Das Ganze wird in den artifiziellen Rahmen einer sich zu mehreren Spielorten öffnenden stilisierten Bergwand gestellt (Ausstattung: Julia Hansen). Die «Künstlichkeit der Form» (ein weiteres Kriterium, mit dem Henze sein Werk charakterisiert) findet damit eine plausible szenische Entsprechung.
Mit welcher Intensität sich das spielfreudige Ensemble auf solche Vorgaben einlässt, wie Satirisches und Revuehaftes dem Handlungsverlauf untermischt werden, wie Realität immer wieder durchbrochen wird von surrealen Momenten – das zu beobachten, macht ganz einfach Spaß. Es ist ein austariertes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 64
von Gerhart Asche

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nackte Gefühle

Herr Cura, am Tag der Premiere von Massenets «Le Cid» in Zürich erfuhren Sie, dass Ihr Vater gestorben ist. Dennoch haben Sie gesungen.
Ja, es war ein Alptraum und eine sehr besondere Situation zugleich. Ich hatte intuitiv immer gewusst, dass mich eine solche Nachricht irgendwann, wenn man gar nicht damit rechnet, erreichen würde. Nur war mir auch klar, dass ich...

Furioses Familiendrama

Johann ­Simon Mayr (1763-1845), einer der erfolg­reichsten Opern­komponisten seiner Zeit, war lange nur als Lehrer Donizettis ein Begriff. Die beispiellose Renaissance, die sein Schüler in den letzten fünfzig Jahren erlebte, hat auch das Interesse an Mayrs Werken neu entfacht. Aufnahmen seiner Opern «Medea in Corinto» und «Ginevra di Scozia» dürften zur...

Abschied für immer

Die Theaterklause in Brandenburg an der Havel ist ein behaglicher Ort. Alles leuchtet in warmen Farben, an den Fens­tern hängen rote Vorhänge, die Wand hinterm Tresen ist holzverkleidet.  Doch der Blick des Theaterintendanten passt eher zu den traurigen Temperaturen vor der Tür. Kein Wunder, gleich beginnt die Uraufführung der Oper «Kleist». Es wird die letzte an...