Blick in eine andere Welt

Mailand, Puccini: Il trittico

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Luca Ronconi will mit seiner neuen, ziemlich glatten Inszenierung von Puccinis «Il trittico» offenbar unauffällig an die Tradition anknüpfen. Zugleich zeigt er Haltung – mit realitätsnaher Ironie und einem gehörigen Schuss Zynismus. Puccini war schließlich kein Mann von rechtschaffener Biederkeit. Der beißende Humor des «Gianni Schicchi» hat viel mit dem Minenfeld musika­lischer Doppeldeutigkeiten zu tun, das sich in der Partitur findet: versteckte Anspielungen, triftige Zitate.

Erst hier (die drei Stücke wurden in der üblichen Reihenfolge gegeben), gleichsam auf dem sicheren Grund der Komödie, schien Riccardo Chailly am Pult des Scala-Orches­ters die vielen interessanten Details der Musik ins Visier zu nehmen.
Dabei kam ihm Leo Nuccis famose Gestaltung der ­Titelrolle zupass – ein mühelos, ja geradezu in Bestform agierender Schicchi-Veteran. Er trug als Einziger ein Renaissance-Outfit, während alle anderen wie Leute von heute auftraten (Kostüme: Silvia Aymonino). Sollte der Renaissance-Mensch tatsächlich ehrlicher, weniger verlogen gewesen sein als wir? Das Ensemble vermittelte mit sorgfältig choreografierten Winkelzügen die Habgier und das Intrigantentum der Verwandtschaft.
Als ...

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Opernwelt Mai 2008
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Tom Sutcliffe

Vergriffen
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